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15 Jahre Welterbe Mittelrhein

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Ich weiß nicht was soll es bedeuten
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn [...] 

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar …

Fast 200 Jahre ist es her, dass der Lyriker Heinrich Heine die sagenumwobene Sirene auf dem Felsen bei Sankt Goarshausen besang. Kreiert hatte den Mythos 1801 ebenfalls ein echter Romantiker: der Dichter Clemens Brentano.

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In der Ursprungsfassung Brentanos stürzt sich die junge Frau mit dem schier endlos langen, blonden Haar aus Liebeskummer selbst von der Klippe.

Heine machte sie schließlich zur gefährlichen Nixe, die durch ihren Gesang die Rheinschiffer vom rechten Weg abbringt.

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Dass die Loreley die Schiffe ausgerechnet bei Sankt Goarshausen kentern lässt, ist kein Zufall. Der Rhein gilt dort tatsächlich als gefährliches Fahrwasser - vor allem bei Hoch- oder Niedrigwasser. In den 1930er Jahren mussten deshalb sogar einge Felsteile gesprengt werden.

Das jüngste Schiffsunglück in dieser Passage des Rheins ereignete sich 2011. Der mit Schwefelsäure beladene Tanker "Waldhof" konnte erst einen Monat nach der Havarie geborgen werden. Ob die Loreley ihre Finger im Spiel hatte, ist nicht belegt.

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Vor allem aber ist die Loreley inzwischen ein Touristenmagnet, der jährlich mehr als 100.000 Besucher anzieht. Darunter viele asiatische Gäste, für die das perfekte Foto mit der blonden Schönheit ein echtes Statussymbol ist.

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Hin und wieder - meist an lauen Sommerabenden - tauscht die Loreley ihre Bilderbuch-Idylle gegen Bässe, Drums und Lichtershows. Dann nämlich, wenn tausende Besucher zu den Open-Air-Konzerten hoch oben auf dem Felsen pilgern. Dann verwandelt sie sich in eine Kulisse, die in Rheinland-Pfalz ihresgleichen sucht.

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Jahrelang hatten die Verantwortlichen dafür gearbeitet, 2002 wurde der Traum endlich wahr: Die UNESCO ernannte das rund 65 Kilometer lange Tal der Loreley zwischen Bingen und Koblenz zum Weltkulturerbe. Die offizielle Urkunde gab es ein Jahr später beim Festakt in der Liebfrauenkirche in Oberwesel.

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Kurt Beck (SPD)

Rheinland-pfälzischer Ministerpräsident zum Welterbetitel, 2002

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Auch unter den Bürgern war die Freude über den Titel groß:

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Mehr als 40 Burgen, malerische Weinberge und zahlreiche Wanderwege: Trotzdem kommen um die Jahrtausendwende immer weniger Touristen ins Mittelrheintal. In der Ernennung zum Weltkulturerbe im Jahr 2002 sehen viele die Chance für einen Neuanfang.

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Burgen, Schlösser, Wanderwege inmitten von Weinbergen und natürlich ein einzigartiges Rhein-Panorama - das Obere Mittelrheintal gilt als Vorzeigeregion des Landes.

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Günter Kern (SPD)

Ehemaliger Vorsitzender des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal, 2013

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Die Übernachtungsstatistiken der letzten Jahre stützen die Thesen von Günter Kern - zumindest auf den ersten Blick. Bei ausländischen Gästen ist die Region so beliebt wie eh und je, und bei den einheimischen verzeichnen die Verbände sogar einen Zuwachs.

Ein zweiter Blick macht jedoch die Tücken der Zahlen deutlich: Es ist nämlich vor allem eine Branche, die touristisch boomt ...

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... der Camping-Tourismus. Ob Kurzurlauber oder Dauercamper - die Zeltplätze am Rhein sind oftmals über mehrere Wochen ausgebucht.


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Wenig einladend sind dagegen viele Gaststätten und Hotels. Während sich der Tourismus weiterentwickelt hat, haben viele Gastronomen und Händler im Oberen Mittelrheintal den Anschluss verpasst. Die Folge: Leerstand und viel Patina.

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Das Problem: Im Tal gibt es vor allem kleine, familiengeführte Betriebe mit maximal 20 Zimmern - für viele Touristengruppen zu wenig. Die wandern inzwischen in die großen Hotels in Koblenz oder Mainz ab und schippern tagsüber mit einem der vielen Ausflugsschiffe über den Rhein.

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Haben also die Tourismusbehörden versagt? Fehlt dem Welterbe vieleicht nur das richtige Marketing? Braucht es mehr Großveranstaltungen à la "Tal Total", dem jährlichen autofreien Sonntag?

In diesem Punkt ist man sich im Oberen Mittelrheintal uneinig ...

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... kein Wunder, denn vom UNESCO-Kuchen möchte jeder sein Stückchen abbekommen. Und wo viele Köche, kommt bekanntermaßen oftmals kein guter Brei heraus, stattdessen viele unklare Zuständigkeiten.

So richtig hoch kocht das Thema schließlich 2015 - es kommt zum Siffgate-Skandal ...

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Immerhin an einer Stelle wird seit November 2016 fleißig gewerkelt: Das Loreley-Plateau wird aufwendig saniert und umgestaltet. Und auch die Freilichtbühne bekommt ein neues Dach.

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Wohin die Reise geht, können allerdings auch Tourismusexperten nur schwer voraussagen. Fest steht: Das Mittelrheintal braucht eine Frischzellenkur.

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Leben im Welterbe bedeutet auch immer leben mit Bahnlärm. Denn eine der wichtigsten europäischen Güterverkehr-Trassen führt durch das Mittelrheintal. Für viele Anwohner ein leidiges Thema ...

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Dieter Ochs wohnt direkt an der Bahnstrecke in Kaub

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Bis zu 200 Güterzüge donnern täglich rechtsrheinisch durch das enge Mittelrheintal. Auf der linken Seite sind es kaum weniger. Die Lärmbelastung liegt auch nachts oft bei mehr als 80 Dezibel. Die Anwohner wehren sich, fordern Lärmschutz und eine Ausweichstrecke. Wegziehen ist für viele keine Option, weil ...

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Dieter Ochs fürchtet um den Wert seiner Immobilie

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Am 9. Juni 2013 entgleiste ein Güterzug bei Lorch

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Lärm und Erschütterungen sind allerdings nicht das Einzige, was die Menschen im Oberen Mittelrheintal an den Güterzügen stört ...

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Willi Pusch, Vorsitzender Bürgerinitiative

befürchtet, dass Züge mit Gefahrgut oder Benzin entgleisen könnten:

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Wasser im Gleisbett hatte die Schienen bei Lorch verschoben und den Zug entgleisen lassen. Bei anderer Fracht wäre es für Mensch und Natur im Welterbe wohl nicht so glimpflich ausgegangen. Anwohner und eine Bürgerinitiative fordern deshalb eine komplette Verlegung des Güterverkehrs aus dem Tal heraus.

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Zumindest gegen den Lärm wird mittlerweile vorgegangen. 73 Millionen Euro sollen bis 2021 in den Lärmschutz im Mittelrheintal investiert werden. Außerdem gilt ab Ende 2020 ein Fahrverbot für laute Güterzüge. Die Waggons müssen bis dahin auf leise Bremssysteme umgerüstet werden.

Gefährliche Güter werden aber weiterhin durch das enge Tal transportiert.


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18 Kabinen schweben seit der Bundegartenschau 2011 vom Deutschen Eck hinauf zur Festung Ehrenbreitstein. Knapp acht Minuten dauert die Fahrt mit der Seilbahn, ein grandioser Ausblick inklusive. Doch die Seilbahn war nicht unumstritten ...

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Roger Lewentz (SPD), ehemaliger Innenstaatssekretär, 2010

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... denn nicht alle Koblenzer waren von der Idee einer Seilbahn quer über den Rhein begeistert. Die UNESCO sah sogar den Welterbe-Status in Gefahr. Sie störte sich vor allem an der Talstation direkt neben der historischen Basilika Sankt Kastor. Der Kompromiss: Die Seilbahn sollte nach der Bundesgartenschau wieder abgebaut werden.

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Besucher berichten über ihre erste Seilbahnfahrt:

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Erst skeptisch beäugt, dann heiß geliebt: Die Seilbahn entwickelte sich schnell zur Touristenattraktion. Allein während der Bundesgartenschau fuhren nach Angaben des Geschäftsführers 3,2 Millionen Menschen über den Rhein. 2015 wurde die Zehn-Millionen-Marke geknackt.

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Der Koblenzer Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig (SPD) appelliert 2013 an die UNESCO:

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Auch nach Ende der Bundesgartenschau, wollen die Koblenzer nicht mehr ohne. Etwa 3.500 Menschen demonstrieren 2013 für den Erhalt der Seilbahn und sammeln mehr als 100.000 Unterschriften.

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Dann die große Überraschung im Sommer 2013: Das Welterbekommitee entscheidet, dass die Seilbahn noch bis 2026 über den Rhein führen darf. Die Koblenzer und ihre Gäste können also weiter ganz entspannt von einem Stadtteil in den anderen schweben. 

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Autoren: Maike König, Manuela Hübner

Fotos: Herbert Piel, dpa/picture alliance, imago, SWR 

Musik: Second star/ Jonathan David Pilcher, Natalie Barowitz; André Engert

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