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Jeder Sechste ein Flüchtling

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Wie verändert das die Menschen auf der Alb?

Die Reportage begleitet bis Ende 2016 vier Menschen.
Sie leben in Meßstetten oder arbeiten in der Flüchtlingsunterkunft.

Eine Langzeitbeobachtung
von Sandra Müller und Katharina Thoms
Nominiert für den Grimme Online Award 2015.
Nominiert für den Deutschen Radiopreis 2016. 

Teil 1 der Reportage dauert rund 15 Minuten.

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Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5
Teil 6 Teil 7 Teil 8 Teil 9
                                





 

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August 2014
Etwa 26.000 Menschen suchen in diesem Jahr in Baden-Württemberg Zuflucht. Fast doppelt so viele wie 2013. Bislang kommen alle Flüchtlinge zuerst nach Karlsruhe. Die Einrichtung dort ist überfüllt. Zu Spitzenzeiten leben dort 2.000 Flüchtlinge.








Doch auf der Schwäbischen Alb ist Platz.
In einer ehemaligen Kaserne in Meßstetten.
Sie liegt etwas abseits, außerhalb des kleinen Ortes.
Sie wurde nach über 40 Jahren im Sommer 2014 geschlossen. Alle Gebäude sind in einem guten Zustand.

Doch so viele Flüchtlinge mitten auf dem Land?
Für Baden-Württemberg ist das ein Novum. Für Meßstetten ist es eine Herausforderung.













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Meßstetten hat im Kern nur 5.000 Einwohner.

Werden hier 1.000 Asylsuchende untergebracht, ist
jeder sechste Einwohner ein Flüchtling.









Doch zum Überlegen bleibt keine Zeit...

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15. August 2014
Die Landesregierung hat entschieden:
Meßstettens Kaserne wird Erstaufnahmestelle.
Vorübergehend. Bis 2016.

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20. August 2014:

Die Landesregierung informiert die Bürger.
Alle Meßstetter sind eingeladen, Fragen zu stellen.

Rechtsextreme haben sich angekündigt. Im Internet hat es fremdenfeindliche Parolen gegen die geplante Asylunterkunft gegeben.

Die Bürgerversammlung mit Integrationsministerin Bilkay Öney beginnt unter Polizeischutz.

Mehr als 600 Meßstetter kommen.


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Ministerin Bilkay Öney macht klar:
Nach Meßstetten kommt eine Landeserstaufnahmestelle, kurz: LEA. Befristet auf zwei Jahre.

Die Flüchtlinge werden dort erstversorgt und ihre Asylverfahren eingeleitet. Sie bleiben nicht dauerhaft in der ehemaligen Kaserne.

Im Schnitt werden die Flüchtlinge nach sechs Wochen verlegt.

Meßstetten also: Eine Durchgangsstation.

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Die Meßstetter Bürger haben vor allem Fragen.
Fremdenfeindliche Äußerungen bleiben die Ausnahme.

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Die Meßstetter machen viele Hilfsangebote. Die Mehrheit der Anwesenden will Flüchtlinge auf der Alb willkommen heißen.

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Oktober 2014
Ein halbes Leben lang hat Alfred Sauter als Berufssoldat in der Kaserne gearbeitet. Jetzt ist er mit 56 Jahren im Vorruhestand.

Mit einigen anderen hat er ab sofort einen neuen "Job":
Er koordiniert über 100 Ehrenamtliche in der neuen Erstaufnahmestelle.

Offiziell arbeitet Sauter sieben Stunden die Woche als Ehrenamtskoordinator. Die Fünftel-Stelle wird vom Deutschen Roten Kreuz bezahlt.






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28. Oktober 2014

Die ersten 33 Flüchtlinge sind angekommen. Im Zollernalbkreis spenden die Menschen tonnenweise Kleidung. Das Lager ist nach zwei Tagen schon überfüllt.

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28.10. 2014
Dreißig Flüchtlinge leben in der Erstaufnahmestelle.

Drei Wochen später
Schon 250 Asylsuchende brauchen Winterkleidung für die kalte Alb.


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Sauter hat sein Leben in Meßstetten verbracht. Er kennt fast jeden und ist ein Organisationstalent. Die Ehrenamtlichen brauchen mehr Kartons für die Kleiderkammer? Ein Anruf bei einem Freund reicht...

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So viel Hilfsbereitschaft ist auch anstrengend. Oft arbeitet Sauter nicht sieben Stunden die Woche, sondern sieben Stunden am Tag.

Das Telefon im Ehrenamtsbüro steht gar nicht mehr still.

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Über 35 Jahre war "Fred" Sauter als Soldat in der Zollernalbkaserne. Ein bisschen leben die alten Zeiten jetzt in der Begegnungsstätte - dem früheren Soldatenheim - wieder auf - mit vielen alten Bekannten.

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Ende November 2014

Auf dem Weg zur Arbeit in der Begegnungsstätte sieht Sauter übersprühte Wegweiser zur Erstaufnahmestelle.

Die Polizei ermittelt gegen unbekannt. Auch Nazi-Symbole seien aufgetaucht.

Die Erstaufnahmestelle ist nach wie vor Thema Nummer eins im Ort. Aber Sauter glaubt nicht, dass die Stimmung kippt.




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Lange Jahre war er Meßstettens "Dorfpolizist".
Jetzt hat Butz zusammen mit drei Kollegen eine Dienststelle mitten auf dem Gelände der Landeserstaufnahmestelle.

Sein Job: Ermitteln, wenn in der LEA oder drumherum Straftaten passieren.

Und aufklären. In jeder Hinsicht.





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Mehrfach täglich macht Karl Butz einen Rundgang auf dem LEA-Gelände. Straftaten gab's erst einige wenige. Gerüchte darüber viele.

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Für Polizist Butz ist der Job noch lange nicht Routine. Schon allein, weil mehrmals die Woche neue Flüchtlinge in Meßstetten ankommen.



2. Dezember 2014

Jetzt sind mehr als 500 Asylbewerber aus sechs Ländern da.

Zwei Wochen später
Jetzt sind fast 1.000 Flüchtlinge auf dem Gelände.

Die Erstaufnahmestelle ist innerhalb von sieben Wochen voll belegt.

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Eins ist Polizist Butz besonders wichtig:
Immer ein Lächeln auf den Lippen.

Die Flüchtlinge in der Erstaufnahmestelle sollen keine Angst vor ihm haben. Viele haben aus ihrer Heimat schlechte Erfahrungen mit der Polizei.

Nur wenige suchen den direkten Kontakt mit ihm.


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Dennoch müssen sich viele Meßstetter erst noch an die Flüchtlinge im Ort gewöhnen, sagt Polizist Butz. 

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Die neue Landeserstaufnahmestelle (LEA) für Flüchtlinge auf der Schwäbischen Alb ist vier Monate nach der Eröffnung zum Teil übervoll. Zuletzt waren über 1.100 Asylsuchende dort untergebracht.

Der unerwartete Flüchtlingsstrom macht dem kleinen Meßstetten und seinen Bürgern zu schaffen. Helfer stoßen an ihre Grenzen

In der Flüchtlingsunterkunft selbst sind die Mitarbeiter gefordert.

Teil 2 der Reportage dauert rund 15 Minuten.
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Teil 1 Teil 3 Teil 4 Teil 5
Teil 6 Teil 7 Teil 8  Teil 9
                               
Nominiert für den Grimme Online Award 2015.
Eine Langzeitbeobachtung von Katharina Thoms und Sandra Müller.




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Carina Schreyeck ist Bürokauffrau. Doch für diesen Beruf gab es in der neuen Landeserstaufnahmestelle in Meßstetten keinen Job mehr.

Die 25-Jährige wollte aber unbedingt helfen. Also bewarb sie sich als Sozialbetreuerin. Ein Glückstreffer: Jetzt geht sie vollkommen auf in ihrem Job.

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Schreyeck kommt von der Alb - aus Hausen im Tal. Jeden Morgen fährt sie die paar Kilometer nach Meßstetten. Sie arbeitet am LEA-Infopoint, einer Art Rezeption.

Dort hilft sie den Flüchtlingen im Alltag - vom Arzttermin über Jobvermittlung bis zur Zimmervergabe. Zu ihren Kollegen gehören auch einige Asylbewerber. Sie können sich am Infopoint etwas dazu verdienen.

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Über 1.000 Flüchtlinge leben inzwischen in Meßstetten. Aus Syrien kommen oft ganze Familien, jede mit ihrer eigenen verzweifelten Fluchtgeschichte. - Eine Herausforderung für die Betreuer am Infopoint.

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Seit die Flüchtlingsunterkunft voll belegt ist, ist Schreyecks Arbeitsalltag richtig hektisch.

Ihre Hauptaufgabe im Moment: Jobs an die Flüchtlinge vermitteln. Sie fegen die Straßen, machen die Häuser sauber und spülen Geschirr in der Mensa.

Dafür bekommen sie 1,05 Euro pro Stunde.

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Anfang Januar 2015

Carina Schreyeck und ihre Kollegen haben mit so vielen Flüchtlingen zu tun wie noch nie:

In Meßstetten leben jetzt 1.141 Asylbewerber.

Nach Karlsruhe ist jetzt auch diese Landeserstaufnahmestelle zeitweise überbelegt.

In Sigmaringen wird deshalb in der Graf-Stauffenberg-Kaserne eine Außenstelle von Meßstetten eingerichtet.

Die Entwicklung in Zahlen:

Oktober 2014 - 33 Flüchtlinge
November 2014 - 485 Flüchtlinge
Dezember 2014 - 912 Flüchtlinge
Januar 2015 - 970 Flüchtlinge

Stand: 9.2.2015
Quelle: LEA Meßstetten

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17. Januar 2015

Fünf Bands aus der Region spielen in der Meßstetter Festhalle. Die Musiker verzichten auf ihre Gage.

Der Förderverein des Gymnasiums und viele Helfer aus Meßstetten übernehmen die Bewirtung. Alle Einnahmen gehen an das Asyl-Begegnungszentrum der LEA.

Die Anregung dafür kam von einem Studenten, der bereits die Facebook-Gruppe "Pro Asylbewerberheim in Meßstetten" gegründet hat.

300 Menschen feiern mit. Rund 3.000 Euro kommen zusammen.

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"Manuela's Naturkostshop" liegt mitten in Meßstetten. Manuela Kästle (42) betreibt den Laden mit ihren Eltern.

Bei Kästles gibt's Tees, Gewürze, Blumen und immer die neuesten Geschichten aus dem Ort.

Thema Nummer eins seit Wochen: Die Flüchtlinge.

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Nicht alle in Meßstetten sind glücklich über die Flüchtlinge.

Manche fühlen sich überfordert mit den vielen Fremden im Ort. Vor allem im Internet melden sich die Kritiker.

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Viele Flüchtlinge sind junge Männer.

Manche in Meßstetten irritiert das.

Aber Manuela Kästle hat selbst einen 16-jährigen Sohn und fühlt mit den jungen Asylbewerbern.





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Manuela Kästle lebt schon ihr ganzes Leben lang in Meßstetten.

Sie ist krank und kommt nur selten raus aus ihrem Laden.

Aber ihr geht es wie vielen anderen im Ort. Sie merkt:
Meßstetten hat sich verändert seit die Flüchtlinge da sind.





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Februar 2015:

Die meisten Asylbewerber in der Landeserstaufnahmestelle in Meßstetten stammen inzwischen aus dem Kosovo oder Serbien.

Andere Flüchtlinge kommen seltener, weil das Mittelmeer im Winter oft nicht schiffbar ist.

In der Flüchtlingsunterkunft Meßstetten lebten Anfang Februar:

577  Flüchtlinge aus Kosovo
187  aus Serbien
162  aus Syrien  
55    aus Afghanistan
49    aus Irak
28    aus Somalia
11    aus Eritrea

Stand: 9.2.2015
Quelle: LEA Meßstetten



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Die Menschen aus dem Kosovo und Serbien kommen, weil sie arm sind und in ihrer Heimat keine Perspektive sehen.

Sie wissen oft, dass sie nicht bleiben können und versuchen es trotzdem.

Sollten sie die gleichen Rechte haben wie Kriegsflüchtlinge?
Einige ehrenamtliche Helfer in Meßstetten zweifeln daran - auch Alfred Sauter.

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Rasend schnell hat sich die Erstaufnahmestelle gefüllt - das belastet auch die ehrenamtlichen Helfer: Bei ihrer Arbeit im Asylcafé, im Deutschkurs, im Internetcafé.

Seitdem so viele Flüchtlinge aus dem Kosovo da sind, sei auch der Umgangston rauer geworden.



Trotzdem engagieren sich weiterhin mehr als 70 Ehrenamtliche regelmäßig für die Asylbewerber. Und es werden mehr: Jede Woche melden sich neue Helfer.

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Vielen stellt sich die Frage:
Sind Meßstetten und seine Flüchtlingsunterkunft schon überlastet?

Politiker fordern Veränderungen.

Manche Bürger sind verunsichert.

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Auch Polizist Karl Butz bekommt immer häufiger besorgte Anrufe. Und abends - nach Feierabend - werden ihm schlimme Geschichten erzählt.

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"Bisher wurden in Meßstetten lediglich Zuwächse auf sehr niedrigem Niveau im Bereich der einfachen Kriminalität festgestellt.

Wir geben zu bedenken, dass belastbare Aussagen in solch kurzen Zeiträumen keine seriöse statistische Grundlage haben."
(Das Innenministerium Baden-Württemberg Anfang Februar 2015 auf Anfrage)






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Februar 2015

Meßstetten jetzt also zwischen Hilfsbereitschaft und Sorge, zwischen Engagement und Angst.
Nicht nur Ladenbesitzerin Manuela Kästle macht sich Gedanken.

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Diese SWR-Webdoku zeigt, was es für eine Kleinstadt wie Meßstetten bedeutet, Flüchtlinge aufzunehmen.
Eine Langzeitreportage über zwei Jahre mit mehreren Teilen.

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Kapitel 5 „Vereint gegen Rassismus“

17. Januar 2015
Benefizkonzert für die Flüchtlinge

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