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Karsthöhlen auf der Alb - Mythos und Forschergeist

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Innenansicht der Höhle

Unerforschte Gebiete auf der Schwäbischen Alb? Die gibt es - und zwar tief unter der Erde. Die Höhlensysteme begeistern Poeten ebenso wie ehrenamtliche Höhlenforscher.

Was treibt die Forscher an und welche Geheimnisse verbergen sich in der Tiefe? Eine Entdeckungstour.

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Der Blautopf in Blaubeuren

Der Eingang zur bekanntesten der mehr als 2.000 Höhlen der Schwäbischen Alb befindet sich idyllisch eingerahmt in Blaubeuren - der Blautopf. 23 Meter tief geht es im Wasser nach unten. Dort eröffnet sich eine Welt, in die nur Höhlenforscher einen Blick werfen können. 

Einer davon ist Jochen Hasenmayer. In den 60er Jahren begann der Höhlentaucher, mit selbst entwickelten Geräten die Welt unter dem Blautopf zu erforschen. Mittlerweile ist sicher: In den Blautopf ergießen sich Wasserströme aus einem kilometerlangen Höhlensystem.

In der Blauhöhle führt heute die ARGE Blautopf die Erkundungsarbeit weiter, während rund um die Hessenhauhöhle die ARGE Blaukarst aktiv ist.

Bestandteil des Blauhöhlenystems ist auch die Vetterhöhle. Ihr Eingang liegt nur ein paar Kilometer vom Blautopf entfernt. Erforscht wird sie vom Höhlenverein Blaubeuren.

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Mit obligatorischer Sicherheitsausrüstung, einer großen Portion Mut und viel Engagement haben die ehrenamtlichen Höhlenforscher in den letzten 16 Jahren Meter für Meter Licht ins Dunkel gebracht.

Die ehrenamtlichen Forscher opfern dafür viel Freizeit und begeben sich auf gefährliches Terrain. Gleichzeitig liefern sie der Wissenschaft wichtige Daten über die Welt unter der Erde.

Die Schwäbische Alb ist das perfekte Betätigungsfeld für die Frauen und Männer der Höhlenvereine - und das nicht nur in Blaubeuren.

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Die Höhlenforschung auf der Schwäbischen Alb

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In der Vetterhöhle
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Dass es auf - oder besser in - der Schwäbischen Alb etwa 2.000 Höhlen gibt, ist dem Jurakalk zu verdanken, aus dem der Gebirgszug in erster Linie besteht.

Die Besonderheit von Kalk ist, dass er sich in kohlensäurehaltigem Wasser auflöst. In Millionen Jahren hat das Regenwasser auf diese Weise ein weitverzweigtes Netz unterirdischer Wasserläufe geschaffen. Manche davon haben riesige Hallen ausgewaschen, andere nur schmale Gänge. 

Den Berg verlässt das Wasser an sogenannten Karstquellen wie etwa dem Blautopf, sodass manche Höhleneingänge unter dem Wasser liegen - und dadurch lange Zeit verborgen blieben.

Steinwerkzeuge und Höhlenmalereien

Andere Höhlen mit einer Öffnung zur Oberfläche haben den Menschen in der Frühzeit bereits als Unterschlupf gedient. Das zeigen prähistorische Funde von Knochen, Werkzeugen und kleinen Kunstwerken, die seinerzeit entstanden.

Sechs Eiszeithöhlen in den Tälern von Ach und Lone sind seit 2017 UNESCO-Weltkulturerbe. Zudem kann man im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren zahlreiche Höhlenfunde besichtigen.

Insgesamt sind auf der Alb fast 30 Höhlen so erschlossen, dass sie entweder als Schauhöhlen dienen, auf eigene Faust oder mit Führer erkundet werden können.

Kranke Pferde wiesen den Weg in die Vetterhöhle

Doch die meisten Höhlen sind unbekanntes Terrain. Aber wie entdeckt man überhaupt solche Höhlen? Zum Beispiel, wenn Tiere krank werden. Im  Pferdestall von Karl Vetter war es immer deutlich kälter als in der Umgebung. Vetter ging der Sache auf den Grund und bemerkte einen eiskalten Luftzug, der aus dem Boden kam - hier trat die kalte Luft aus der Höhle aus. Es wurde gegraben, doch wegen Einsturzgefahr mussten die Höhlenforscher ihr Vorhaben beenden. Erst 40 Jahre später gelang der Durchbruch und die Höhle wurden nach ihrem Entdecker Karl Vetter benannt. 

Heute erforscht der Höhlenverein Blaubeuren um das Ehepaar Petra und Markus Boldt die Höhle - und entdeckt tatsächlich noch immer Neuland.

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In der Vetterhöhle
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Marcus und Petra Boldt gehen durch die Vetterhöhle

Ein Hobby, zwei Menschen - Petra und Markus Boldt teilen die Leidenschaft für die Erforschung von Höhlen. Kein Wunder also, dass sie sich sogar bei einem Kongress von Höhlenforschern kennenlernten.

"Ihre" Höhle, in die sie ihre Freizeit und viel Arbeitskraft investieren, ist die Vetterhöhle. Sie haben sie erschlossen, vermessen, gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern neue Gänge freigelegt und Hallen erkundet.

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"Der Erste zu sein, der den Lichtstrahl in dunkle Räume wirft"

Petra Boldt beschreibt, was sie an der Höhlenforschung so fasziniert: 

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Petra Boldt erzählt im Interview über die Forschung in den Höhlen
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Gummistiefel laufen durch den Matsch

Der Weg ins Unbekannte ist oft beschwerlich. In die Vetterhöhle muss man den Abstieg über eine 28 Meter langen Leiter in Kauf nehmen. Es folgen lange Fußmärsche und Kriechpassagen, bis sich wieder neue Hallen öffnen.

Dort unten herrscht eine konstante Temperatur von neun Grad Celsius - und es ist nass. Angst vor Schlamm ist daher kein guter Berater für einen Höhlenforscher.

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Dreckige rote Overalls, sogenannte Schlatze, hängen an einem Holzbalken

Um unter Tage zu arbeiten, muss man einige Sicherheitsvorschriften beachten. So gehen die Forscher beispielweise mindestens zu Dritt in die Höhle - und niemals alleine.

Auch die Ausrüstung ist wichtig: Gummistiefel sind Pflicht, um mit halbwegs trockenen Füßen wieder nach oben zu kommen. Der rote Overall heißt "Schlaz" und ist aus einem festen Material, das auch das Kriechen durch steinige Gänge übersteht.

Zudem trägt jeder Forscher einen Helm und hat mindestens drei Lampen dabei, wenn er in die Höhle geht.

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Markus Boldt zu den Gefahren der Höhlenforschung

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Ein Helm mit Stirnlampe und ein Seil mit Karabiner liegen auf dem Boden

Mit der Ausrüstung sind die Forscher gut vorbereitet für die teilweise stundenlangen Exkursionen in der Höhle. Natürlich gehört auch ein bisschen Mut dazu, sich unter die Erde zu begeben und kilometerweit vom Ausgang zu entfernen.

Markus Boldt baut auch auf seine Erfahrung - und ist sicher: Motorradfahren ist gefährlicher als Höhlenforschung.

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Der Zugang zur Vetterhöhle ist heute relativ komfortabel ausgebaut - inklusive Leiter, Absicherung und Seilzug. Das war nicht immer so. 

Wenn sich Markus Boldt daran erinnert, wie der erste Schacht entstand, fügt er neben Mut und Enthusiasmus noch eine weitere Charaktereigenschaft für einen Höhlenforscher hinzu.

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"Er braucht erst mal Ausdauer"

Schnelle Erfolge sind in der Höhlenforschung selten, erklärt Markus Boldt.

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Interview mit Markus Boldt
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Eine neue Höhle oder einen neuen Eingang zu einem bestehenden System zu entdecken, gehört zu den Höhepunkten des Forscherlebens.

Die Boldts haben das erlebt. An einer Stelle oberhalb von Blaubeuren folgten sie dem kalten Luftzug, den auch schon Karl Vetter entdeckt hatte - ein erstes Indiz für unterirdische Hohlräume.

Es folgten vier Jahre, in denen die Forscher und ihre Vereinskameraden jede freie Minute damit zubrachten, den vermeintlichen Höhleneingang freizulegen. Mit Erfolg, wie sich Petra Boldt erinnert.

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".... und dann war ich erst mal sprachlos"

Petra Boldt erinnert sich an den ersten Einstieg in die Vetterhöhle.

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Petra Boldt erzählt im Interview von ihrem ersten Einstieg in die Vetterhöhle
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Trotz der anstrengenden Arbeit und der Aussicht, sonnige Sommertage in einer kalten Höhle statt im Schwimmbad zu verbringen, hat der Höhlenverein Blaubeuren keine Nachwuchssorgen.

Dafür sorgt auch das Engagement von Petra Boldt am Blaubeurer Gymnasium. Dort leitet sie eine Höhlen AG, in der Schülerinnen und Schüler lernen, wie die Höhlen entstanden und was sich dort findet.

So kam auch der 16-Jährige  Christopher Maetze zur Höhlenforschung. Was die Schüler im Untergrund fasziniert? Zum Beispiel der riesige Raum der "Walhalla".

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"In die Walhalla zu kommen, war für mich das Highlight."

Christopher Maetze bringt auf den Punkt, was ihn an der Vetterhöhle fasziniert.

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Der Nachwuchs-Höhlenforscher Christopher Maetze steht im Overall und mit Helm und Stirnlampe vor dem Einstieg zur Vetterhöhle
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Andreas Kücha bereitet sich 2016 in Blaubeuren (Baden-Württemberg) auf einen Tauchgang vor.

Die "Walhalla" war eine der wegweisenden Entdeckungen bei der Erforschung der Vetterhöhle. Es handelt sich dabei um eine 100 Meter lange, 70 Meter breite und 50 Meter hohe Halle, die 2006 entdeckt wurde. Damals war sie die größte ihrer Art auf der Schwäbischen Alb.

Ein anderer Teil der Höhle ist das "Wolkenschloss". Als Forscher aus der Vetterhöhle dort ankamen, war der Beweis erbracht, dass  Vetterhöhle und Blauhöhle zu einem Verbund gehören. Faszinierend daran: Die Dimensionen des gesamten Höhlensystems sind viel größer als bis dahin angenommen.  

Die Erforschung der Blauhöhle erfolgte bis Ende der 2000er-Jahre ausschließlich durch Höhlentaucher. Einer davon ist Andreas Kücha von der ARGE Blautopf. 

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"Die Raumfahrt des kleinen Mannes"

Andreas Kücha erzählt vom Tauchen und hat Unterwasser-Aufnahmen mitgebracht.

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Mittlerweile ist es nicht mehr nötig, in die Höhle zu tauchen. 2008 entdeckte Andreas Kücha einen Gang, an dessen Ende er Straßengeräusche hörte. Kein Wunder: Der Gang endete unter der B28. Die Stadt Blaubeuren entschied sich dazu, an dieser Stelle einen Zugang zur Blauhöhle einzurichten - einen 17 Meter langen Schacht, den "Stairway to Heaven".

Seitdem ist es möglich, die Höhle deutlich schneller und vor allem ohne das gefährliche Tauchen zu betreten. "Wir sind erst am Anfang", ist sich Andreas Kücha sicher. Das gesamte Blauhöhlensystem habe noch Potenzial für weitere Forschergenerationen.

Den Grundstein für die Entdeckungen am Blautopf legte Jochen Hasenmayer, der schon in den 60er-Jahren erste Tauchgänge unternahm.

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Die Anfänge: Jochen Hasenmayer

Die SDR-Abendschau berichtet 1967 über den ambitionierten Höhlentaucher.

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"Das ist ein sehr schönes Gefühl"

Jochen Hasenmayer über die Entdeckung des Mörikedoms

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Der Höhlenforscher Peter Hasenmayer

Noch immer trifft man Jochen Hasenmayer am Blautopf. Der 77-Jährige ist seit einem Tauchunfall in den 80er-Jahren querschnittsgelähmt. Das hielt ihn nicht davon ab, mit einem selbst konstruierten U-Boot, dem "Speleonauten", erneut in die Blautopfhöhle zu tauchen.

Er brennt noch immer für die Höhlenforschung. Aktuell arbeitet er daran, weitere Indizien für seine umstrittene Theorie zu finden, dass die Blautopfhöhle deutlich älter ist als bislang angenommen.

Bei allem wissenschaftlichen Streit: Auch er gerät ins Schwärmen, wenn er sich an seine bedeutendste Entdeckung erinnert.

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"Er soll Mörikedom heißen"

Der SWR berichtet 1985 über Hasenmayers neueste Entdeckung in der Blauhöhle.

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Der Höhlenforscher Jochen Hasenmayer berichtet nach dem Auftauchen von der Entdeckung des Mörikedoms
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"Es gab damals schon vorausdenkende Leute"

Jochen Hasenmayer über Eduard Mörike und seine Idee von der Höhle.

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Die "Schöne-Lau", eine Skulptur des Malers und Bildhauers Fritz v. Graevenitz, am Blautopf in Blaubeuren

"Mörikedom" nannte Hasenmayer die Halle mit Deutschlands größtem Höhlensee nach dem Dichter Eduard Mörike. Der hatte das Märchen der schönen Lau geschrieben, einer Nixe, die von ihrem Mann in die Tiefen des Blautopfs verbannt wurde.

Eine Geschichte, bei der sie am Ende die Höhle wieder verlässt - weil eine Wirtin aus Blaubeuren den Bann bricht.
Für Hasenmayer ein Zeichen dafür, dass Mörike seiner Zeit schon ein wenig voraus war.

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Ein Höhlentaucher taucht im Blautopf in Blaubeuren

Tausende Besucher lassen sich Jahr für Jahr vom Zauber des Blautopfs gefangen nehmen. Schautafeln und das Urgeschichtliche Museum bringen ihnen die Höhlenwelt näher.

Die Forscher nutzen mittlerweile vor allem den trockenen Zugang zum Mörikedom. Der klassische Weg durchs Wasser des Blautopfs bleibt den besonders ausgebildeten  wissenschaftlichen Tauchern vorbehalten. 

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Unter der Erde auf Erlebnisreise gehen

Mit VR-Brillen und Smartphones kann man wie ein Forscher Höhlen erkunden

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Ein Taucher bereitet sich auf einen Tauchgang im Blautopf vor

Was der Öffentlichkeit in der Realität verschlossen bleibt, können Nutzer beim SWR mittels Virtueller Realität erleben.
  
Gehen Sie vom heimischen Wohnzimmer aus auf Entdeckungstour, tauchen Sie ein in den Blautopf und erkunden Sie die Vetterhöhle.

Ab Februar 2019 gibt es hier die Links zu spielerischen Reisen durch faszinierende Höhlenwelten.

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