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Faszination E-Sport

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E-Sport ist die Abkürzung für elektronischer Sport. E-Sportler spielen am Computer oder an der Konsole gegeneinander und messen sich in virtuellen Wettbewerben.

Gespielt werden vor allem Strategiespiele, Sportsimulationen sowie Ego- und Taktikshooter. Wie viele E-Sportler es in Deutschland gibt, ist unklar. Einer aktuellen Studie zufolge spielt jeder vierte deutsche Internetnutzer Mehrspieler-Spiele - Tendenz steigend.

Die Computer- und Videospieler sind oft auch in eigens gegründeten E-Sport-Teams vereinigt, den sogenannten Clans.

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Die Begeisterung wächst: Bei E-Sport-Turnieren unterstützen mehrere tausend Menschen die Profispieler und feuern sie an.

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In Deutschland liegt der Umsatz im E-Sport-Bereich aktuell bei 50 Millionen Euro. Eine Studie geht davon aus, dass er bis 2020 auf etwa 130 Millionen Euro steigen wird.

Weltweit gibt es rund 250 Millionen E-Sport-Fans, vor allem in den USA und Asien ist der elektronische Sport beliebt. In Deutschland verfolgen regelmäßig elf Millionen Menschen E-Sport-Turniere - entweder im Internet oder direkt vor Ort.

Beliebt sind die Fußball-Simulation FIFA, der Taktik-Shooter Counter-Strike: Global Offensive und die Strategiespiele League of Legends und Dota 2.

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Immer mehr Menschen betreiben E-Sport professionell und finanzieren sich damit ihren Lebensunterhalt. Topspieler verdienen mehrere hunderttausend Euro pro Jahr.

Große E-Sport-Turniere finden in Messehallen und Fußballstadien statt. Tausende Fans vor Ort und Millionen Menschen im Internet schauen zu und fiebern mit den Profispielern mit.

Dadurch werden auch immer mehr Sponsoren angelockt. Große Unternehmen investieren bereits Millionen in die E-Sport-Branche.

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Nikola Ninic hat geschafft, wovon viele träumen: Der gelernte Einzelhandelskaufmann kann von seinem Gehalt als professioneller E-Sportler leben.

Seine Disziplin ist der Taktikshooter Counter-Strike: Global Offensive. Seit 15 Jahren spielt der Ludwigshafener das Spiel schon am Computer, seit sieben Jahren ist er Profi.

Nikola Ninic steht beim deutschen Team BIG (Berlin International Gaming) unter Vertrag. Der 26-Jährige hat alles auf die Karte E-Sport gesetzt - und gewonnen.

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Nikola Ninic: Profi-E-Sportler ist ein absoluter Traumberuf

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Wer als E-Sportler erfolgreich sein möchte, muss viel Zeit investieren. Profispieler sitzen täglich mehrere Stunden am Computer oder der Konsole und trainieren.

"Teilweise spiele ich 14 Stunden am Tag", sagt Nikola Ninic aus Ludwigshafen. Nicht nur Reaktionsschnelligkeit ist gefragt, sondern auch strategisches Denken.

Um es als professioneller Computerspieler zu schaffen, sind viele Eigenschaften notwendig. Wichtig sind Disziplin, Zielstrebigkeit und Kommunikationsfähigkeit.

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Die Fans sind von den Leistungen der Profispieler und vom E-Sport im Allgemeinen begeistert

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Wie professionell die Szene geworden ist, zeigt sich auch am Beispiel Merchandising. Der Verkauf von Fanartikeln wird immer wichtiger und ist für die E-Sport-Teams zu einer lukrativen Einnahmequelle geworden.

Egal, ob Hemden, Mützen, Spielertrikots oder Tastaturen - fast jedes professionelle E-Sport-Team bietet selbst designte Fanartikel zum Verkauf an.

Auch in den sozialen Netzwerken boomt der elektronische Sport: Das schwedische E-Sport-Team fnatic kommt bei Facebook auf 2,6 Millionen Likes. Die deutsche Organisation SK Gaming hat rund 800.000 Facebook-Fans und damit mehr als die Fußballteams aus Hoffenheim und Mainz zusammen.

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Der E-Sport ist längst keine Männerdomäne mehr, auch immer mehr Frauen spielen. Eine der besten E-Sportlerinnen Deutschlands ist Lisa Catino. Die 26-Jährige aus dem Rems-Murr-Kreis läuft für das E-Sport-Team eines großen Elektronikfachhändlers auf.

Gemeinsam mit ihren vier Mitspielerinnen, die aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden kommen, spielte sie unter anderem schon bei Turnieren in Polen, Frankreich, Russland und Dänemark mit.

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Profispielerin Lisa Catino über die Faszination E-Sport

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Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob E-Sport mit anderen Sportarten vergleichbar ist. Für Lisa Catino gibt es da keine zwei Meinungen: "Für mich ist das Sport, denn auch Schach wird als Sport eingestuft. Der elektronische Sport ist wie Gehirnjogging."

E-Sport sei ihrer Meinung nach extrem anstrengend: Neben schnellen Reaktionsfähigkeiten müssen Profispieler auch stundenlang konzentriert und fokussiert bleiben können. Dazu komme der Wettbewerbsgedanke: "Wenn Teams im E-Sport gegeneinander antreten, dann ist das wie bei anderen Mannschaftssportarten."

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Wissenschaftliche Unterstützung bekommen E-Sportler von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Die Sportexperten haben sich in verschiedenen Studien mit den Leistungen auseinandergesetzt, die professionelle Computerspieler erbringen.

"E-Sportler sind beim Spielen am Computer oder der Konsole höchsten Belastungen ausgesetzt - auf motorischer, kognitiver und emotionaler Ebene", sagt Professor Dr. Ingo Froböse. Topspieler würden pro Minute auf mehr als 350 Bewegungen kommen.

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Professor Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule: "E-Sportler erbringen Höchstleistungen"

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Da in der Branche alles professioneller wird, steigen auch die Anforderungen an die Spieler: Das Trainingspensum wird erhöht, es gibt immer mehr Spieltage - die E-Sportler müssen oft an ihre Leistungsgrenzen gehen.

Damit kein Computer- oder Videospieler auf falsche Gedanken kommt, werden seit einiger Zeit bei großen Turnieren Doping-Tests durchgeführt. Die Veranstalter wollen damit verhindern, dass E-Sportler leistungssteigernde Substanzen wie Ritalin oder Adderall einnehmen.

Die E-Sport-Szene arbeitet dabei teilweise auch mit der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) zusammen.


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Der elektronische Sport hat auch die Fußballvereine auf den Plan gerufen. Mehr als 30 Clubs haben bereits professionelle Computerspieler unter Vertrag genommen - unter anderem Paris Saint-Germain, Manchester City und Galatasaray Istanbul.

In Deutschland sind bislang die Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart, RB Leipzig, VfL Wolfsburg und FC Schalke 04 in den elektronischen Sport eingestiegen.

Die Clubs wollen mit dem E-Sport zusätzliche Einnahmen generieren und die junge Zielgruppe ansprechen.

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Fast wie bei den Fußballprofis: Der FC Schalke 04 nimmt das Thema E-Sport ernst und unterstützt die professionellen Computerspieler

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Nicht nur beim VfB Stuttgart, der im Juli 2017 zwei professionelle FIFA-Spieler unter Vertrag genommen hat, steht der elektronische Sport hoch im Kurs.

"Wir haben das Thema im Blick", sagte ein Sprecher der TSG 1899 Hoffenheim. "Wir beobachten die möglichen positiven Wirkungen für den Verein unter den Aspekten Markenentwicklung und Fanbindung", so der FSV Mainz 05.

Auch beim 1. FC Kaiserslautern, dem SC Freiburg und dem Karlsruher SC wurde bereits über den elektronischen Sport diskutiert.

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Dr. André Bühler, Professor für Marketing an der Hochschule Nürtingen-Geislingen zur Zukunft des E-Sports im Fußballbereich

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Nicht nur als professioneller Spieler kann in der Branche Geld verdient werden. Der elektronische Sport sorgt auch dafür, dass ganz neue Berufe und Jobs entstehen.

So gibt es beispielsweise E-Sport-Kommentatoren, die das Geschehen auf dem Bildschirm wie Sportreporter begleiten. Außerdem verdienen viele ehemalige Profizocker ihr Geld als Moderatoren, Trainer, Analysten oder Experten - ähnlich wie im Fußballbereich.

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Pure Emotion: Matthias Remmert ist E-Sport-Moderator und Kommentator. Der 31-Jährige kommentiert vor allem den Taktik-Shooter Counter-Strike: Global Offensive

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Da immer mehr professionelle Teams entstehen, fallen auch immer mehr organisatorische Aufgaben an. Sascha Schmücker kommt aus Koblenz und ist sportlicher Leiter des E-Sport-Teams LeiSuRe.

Das Team wurde im Jahr 1999 gegründet und hat seinen Sitz im rheinland-pfälzischen Mülheim-Kärlich. LeiSuRe hat aktuell mehr als 35 Mitglieder, die die verschiedensten Computer- und Videospiele spielen.

Im Interview erklärt Sascha Schmücker seine Aufgaben als sportlicher Leiter:

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Für zahlreiche Arbeitsplätze sorgt auch die größte E-Sport-Firma in Deutschland, die ESL. Das Unternehmen aus Köln hat sich von einem kleinen Turnierveranstalter zum weltweiten Marktführer für E-Sport-Events entwickelt.

Mittlerweile arbeiten mehr als 550 Menschen an 17 Standorten auf der ganzen Welt für die ESL - egal, ob als Event-Manager, TV-Produzent, Turnierorganisator oder Grafiker. Jedes Jahr bietet das Unternehmen etwa 15 Ausbildungsplätze im E-Sport-Bereich an.

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ESL-CEO Ralf Reichert: "Wer im E-Sport-Business arbeiten möchte, sollte ehrgeizig sein, eigenständig arbeiten können und ein Interesse an Computerspielen haben"

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Ein Ende des E-Sport-Booms ist nicht in Sicht. Experten rechnen auch in den kommenden Jahren mit weiterhin steigenden Umsätzen, immer mehr Sponsoren sowie Zuschauer - und Spielerzahlen.

Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) aus Berlin geht von einem Wachstum auf 1,9 Milliarden Dollar im Jahr 2019 aus. "Dem E-Sport gehört die Zukunft, weltweit wächst keine Sportart so rasant", heißt es bei dem Branchenverband.

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In Ländern wie Frankreich, Russland, Südkorea oder Großbritannien ist der elektronische Sport auf der gleichen Ebene wie andere Sportarten. In Deutschland stehen die Chancen nicht allzu gut, dass der E-Sport vom Deutschen Olympischen Sportbund offiziell anerkannt wird.

"Wir brauchen einen Verband mit mindestens 10.000 Mitgliedern, der sich an uns wendet, und der bei uns Mitglied werden möchte", sagte ein DOSB-Sprecher. Das sei bislang noch nicht passiert.

Langfristig gesehen könnte sich die Szene aber weiter professionalisieren und ein Verband könnte dann dafür sorgen, dass sich E-Sport auch als Sport durchsetzen wird.

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In Schweden und Norwegen kann der elektronische Sport bereits an Schulen und Volkshochschulen gelernt beziehungsweise studiert werden. Seit August 2016 bietet die schwedische Volkshochschule Strömbäcks Folkhögskola das professionelle Zocken als eigenes Studienfach an.

Die norwegische Schule Arna Videregående Skole in der Nähe von Bergen hat E-Sport ebenfalls in ihr Lehrprogramm aufgenommen. 25 Kinder und Jugendliche zocken hier mehrere Stunden pro Woche während der Schulzeit. Die Schüler sollen dadurch ihre strategischen, taktischen und mentalen Fähigkeiten verbessern.






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