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Begrenzt offen - Flüchtlinge in Meßstetten

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März 2016
In Europa sind die Grenzen dicht. Nur noch wenige Menschen können nach Deutschland fliehen.

Im Herbst 2015 waren über 3.500 Menschen in der Erstaufnahmestelle in Meßstetten. Jetzt sind es etwa 300.

Die Unterkunft leert sich. Zeit zum Aufräumen, Luftholen und Nachdenken. Denn noch ist nicht entschieden, ob auch 2017 hier Flüchtlinge leben sollen. Meßstetten ist sich uneinig.

Eine Langzeitbeobachtung
von Sandra Müller und Katharina Thoms
Nominiert für den Grimme Online Award 2015.

Dieser Teil der Reportage dauert rund 10 Minuten.

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 Teil 1
Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 8


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13. März 2016
Das Ergebnis der Landtagswahl in Baden-Württemberg überrascht viele Meßstetter:

Die CDU verliert in der Stadt ihre absolute Mehrheit.
Die Grünen bekommen so viele Stimmen wie noch nie.
Fast jeder Fünfte in Meßstetten wählt die AfD.
Im Meßstetter Teilort Hartheim sogar fast jeder Vierte.

Am Tag nach der Wahl sprechen mehr Meßstetter als sonst offen über ihre Sorgen.

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April 2016 | August 2015

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April 2016
Es gibt Tage in Meßstetten, da kommt nur noch ein einziger neuer Flüchtling an. Im Sommer waren es oft über hundert am Tag.

Und viele fragen sich: Wird die Erstaufnahmestelle schließen, wenn nicht bald wieder Flüchtlinge kommen?

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August 2015 | April 2016

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Bis vor kurzem haben 400 Menschen in der Erstaufnahmestelle Meßstetten gearbeitet. Jetzt noch 250.
Und die wissen nicht, wie es weitergeht.

Die Sozialbetreuer und Ehrenamtlichen haben jetzt mehr Zeit für die Flüchtlinge. Dennoch geht manchmal die Arbeit aus.

Die Überstunden sind abgebaut.
Die ersten machen Zwangsurlaub.
Die Unterkunft ist renoviert.

Alle warten.
Auf Asylsuchende.
Auf eine Entscheidung über die Zukunft.


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Polizist Karl Butz hat nur noch wenig Arbeit.
Vorfälle mit Asylsuchenden sind selten geworden.
Nicht nur in der Erstaufnahmestelle.
Auch in den Meßstetter Supermärkten.

Seit nur noch einige hundert Asylsuchende da sind, gibt es deutlich weniger Diebstähle:

Oktober 2015      73
März 2016            24

In den Supermarkt kommt Butz deshalb fast nur noch privat. Zum Einkaufen.

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Fast ist alles wie früher in den Supermärkten:
Volle Regale. Leere Gänge. Wenig Kunden.
Mit allen Vor- und Nachteilen.

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Für Manuela Kästle sind die Flüchtlinge kein Thema mehr.

Nicht einmal, als im April ein großer Prozess beginnt:
Vier Flüchtlinge sind angeklagt. Sie sollen im November eine Massenschlägerei in der Meßstetter Unterkunft angezettelt haben. Kaum jemand im Ort redet darüber.

Kästle ist sicher: Die Landeserstaufnahmstelle (LEA) in der ehemaligen Kaserne wird bald dicht gemacht.




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Alfred Sauter ist sicher: Die Erstaufnahmestelle wird noch mindestens ein Jahr in Meßstetten bleiben. Darüber entscheidet er mit. Der Ehrenamtskoordinator ist auch Gemeinderat.

Baden-Württemberg möchte die Erstaufnahmestelle hier weiter betreiben. Einige Meßstetter könnten sich aber vorstellen, die Ex-Kaserne jetzt schon für anderes zu nutzen.

Die Gemeinderäte wägen nun ab:
Soll es einen Bürgerentscheid dazu geben? Die Zeit drängt.

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In der Diskussion über die Zukunft der Erstaufnahmestelle in Meßstetten ist Alfred Sauter vor allem eins wichtig:

Menschlichkeit.

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Ganz Meßstetten wartet.  Asylbearbeiterin Carina Schreyeck hat ihre Entscheidung getroffen.

Sie verlässt die Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Meßstetten. Schreyeck wollte nicht länger warten, bis das Amt eine Entscheidung getroffen hat.

Sie bearbeitet jetzt in Sigmaringen Asylanträge. Das Bundesamt hat dort eine neue Außenstelle eröffnet.

Schreyeck baut das Amt dort mit auf.

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Carina Schreyeck hat in der Erstaufnahmestelle Meßstetten Karriere gemacht.

Anfangs hat sie für die Betreiberfirma EHC Flüchtlinge betreut. Schon damals haben ihr einige von Krieg und Elend erzählt. Sie hat den Alltag der Flüchtlinge gemanagt. Von der Zimmervergabe bis zur Jobvermittlung.

Seit dem Sommer 2015 arbeitet Schreyeck beim Bundesamt für Migration. Sie hat Asylanträge bearbeitet und täglich von dramatischen Fluchtwegen durch ganz Europa gehört.

Eine intensive Zeit. Eine wertvolle Arbeit, sagt Schreyeck.
Vor allem für sie selbst.

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12. Mai 2016
Der Meßstetter Gemeinderat verhandelt erstmals öffentlich, wie es mit der Landeserstaufnahmestelle weiter gehen soll. 

Baden-Württemberg will ein Jahr verlängern.
Einige Gemeinderäte wünschen sich deshalb einen Bürgerentscheid. Die Mehrheit stimmt jedoch dagegen.

Mehr wird nicht entschieden.

Stattdessen will man weiter prüfen, was das eigentlich für die Stadt bedeutet: Ein weiteres Jahr mit einer Erstaufnahmestelle.

Eine Langzeitbeobachtung
von Sandra Müller und Katharina Thoms
Nominiert für den Grimme Online Award 2015.

Dieser Teil der Reportage dauert rund 10 Minuten.

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Klar ist: Niemand in Meßstetten will nochmal so einen Herbst wie 2015 - mit 3.500 Flüchtlingen. Bedingung für eine Verlängerung wäre: Meßstetten bekommt eine Obergrenze.

Damit wäre auch Alfred Sauter einverstanden. Als  Ehrenamtskoordinator und Gemeinderat hofft er auf eine Velängerung. Er sieht viele Vorteile.

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Für die Stadt lohnt sich die Unterbringung der Flüchtlinge.
Denn die Asylsuchenden gelten als reguläre Einwohner.

Meßstetten bekommt 2016 deshalb mehr Geld vom Land aus dem kommunalen Finanzausgleich. Außerdem kassiert die Stadt Wassergebühren von der Erstaufnahmestelle. Zuletzt hat sie damit einen Überschuss erwirtschaftet.

Einzige große Ausgabe: Meßstetten muss zusätzlich jemanden bezahlen, der die Flüchtlinge melderechtlich erfasst.

Die Stadt muss wegen der Flüchtlinge auch einige Straßen häufiger reinigen. Aber was das kostet? "So wenig, dass man es nicht beziffern kann", sagt der Bürgermeister.
 
* Wenn 1.500 Flüchtlinge da sind.
** Steuern sind schon abgezogen.
Quelle: Stadt Meßstetten

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Insgesamt 2,9 Millionen Euro bekamen Flüchtlinge 2015 in Meßstetten bar als Taschengeld ausgezahlt. Es steht ihnen gesetzlich zu.

So viel Taschengeld bekommen Flüchtlinge pro Monat:

Alleinstehende        143 Euro
Ehepartner               129 Euro
Kinder über 18        113 Euro
Kinder 14 bis 17        85 Euro
Kinder 6 bis 13          92 Euro
Kinder unter 5           84 Euro

(Quelle: §14 des Asylbewerberleistungsgesetzes)

In Zukunft will Baden-Württemberg kein Bargeld mehr an Flüchtlinge auszahlen. Sie sollen stattdessen eine Guthabenkarte bekommen.

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Viele Menschen haben in der Erstaufnahmestelle Meßstetten Arbeit gefunden.

Eine von ihnen: Ivanka Nakicevic. Sie arbeitet als Sozialbetreuerin.

Der Job war für sie ein Glücksfall. Im Oktober 2014 hat sie angefangen. Ihre Aufgabe: Flüchtlinge betreuen, Zimmer zuweisen, Transfers in andere Unterkünfte organisieren.

"Ich bin froh, dass ich da rein gekommen bin," sagt sie.

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Martin Mahl ist Chef einer Bäckerei in Stetten am kalten Markt. Er beliefert die Erstaufnahmestelle Meßstetten mit Brötchen. Zu Spitzenzeiten waren es 10.000 Stück am Tag.

"2015 haben wir damit gut 50.000 Euro verdient," sagt Mahl.



 

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21. Juli 2016

Meßstettens Gemeinderat entscheidet: 
Das Land Baden-Württemberg darf ein weiteres Jahr lang Flüchtlinge in der ehemaligen Kaserne unterbringen.  

23 Gemeinderäte sind dafür.
Einer stimmt dagegen. Zwei enthalten sich. 

Und Meßstetten stellt Bedingungen:
Ende 2017 ist endgültig Schluss.
Nicht mehr als 500 Flüchtlinge dürfen dort leben. 

Für die Meßstetter Bürger ist das kaum noch ein Thema. 

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Nominiert für den Deutschen Radiopreis 2016. 

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8. Juli 2016

In der Unterkunft leben noch 214 Asylsuchende - so wenige wie seit 20 Monaten nicht mehr. Die Meßstetter bekommen nur noch wenig von ihnen mit. 

Die Bürgerinfo über die Zukunft der Erstaufnahmestelle ist nur mäßig besucht. Wer da ist, wünscht sich weiter Hilfe für Asylsuchende.  Ohne Bedingungen. Ohne Obergrenzen.








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August 2016 - Meßstetten nach 25.000 Flüchtlingen

Die Erstaufnahmestelle bleibt noch ein Jahr.
Das würde auch Alfred Sauter gern. Ob als Koordinator im Begegnungszentrum oder als Ehrenamtlicher, entscheidet sich noch.

Wichtig ist jetzt: Er hat wieder mehr Zeit für die Flüchtlinge. 
Zum Fußball spielen, Kaffee trinken, einen Schwatz halten.


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Kleiderkammer, Asylcafé, Internetraum:
Alfred Sauter und die rund 150 Ehrenamtlichen haben in den zwei Jahren viel geschafft und geschaffen.

Viele Meßstetter haben dafür gespendet.
Und die Hilfsbereitschaft hält an.
Bis heute.

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August 2016 - Meßstetten nach 25.000 Flüchtlingen

Karl Butz war vom ersten Tag an als Polizist in der Erstaufnahmestelle Meßstetten. Er arbeitet gern dort.
Gerne auch bis Ende 2017. 

Zur Zeit ist es ruhig.
Doch Butz ist sicher:
Das wird sich bald wieder ändern.

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Karl Butz und seine drei Kollegen von der Polizeiwache in der Erstaufnahmestelle Meßstetten hatten viel zu tun in den vergangenen zwölf Monaten.

360 Mal wurden sie zu Hilfe gerufen.

Mal gab es Streit unter Asylsuchenden.
Mal grölten betrunkene Flüchtlinge in der Stadt herum.
Mal hatten mutmaßlich Asylsuchende in Meßstetten geklaut.

Nicht immer lag wirklich eine Straftat vor.

Oft haben die Einsätze den Polizisten Karl Butz bewegt.


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August 2016 - Meßstetten nach 25.000 Flüchtlingen

"Es ist ruhig geworden," sagt Manuela Kästle.
In der Stadt sieht man nur noch wenige Asylsuchende. 

Längst ist das eigene Leben wieder wichtiger als das der Fremden.

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Für Manuela Kästle ist das Leben wieder wie es war, bevor die Flüchtlinge kamen. Sie geht ihrer gewohnten Arbeit nach, macht Blumengestecke für Hochzeiten, Geburtstage, Beerdigungen. 

Dass das Land ein weiteres Jahr lang Flüchtlinge in der ehemaligen Meßstetter Kaserne unterbringt, findet sie ok.
Dass die Einrichtung Ende 2017 endgültig schließt, auch.

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August 2016

24.438 Männer, Frauen und Kinder haben seit Oktober 2014 im kleinen Meßstetten Asyl gesucht.

Hat das den Ort verändert? 

Vielleicht. Ein wenig.  

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Kapitel 3 Ladenbesitzerin Kästle: Wenig zu schwätzen.

"Ich glaub, die LEA wird zugemacht."

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Kapitel 4 Gemeinderat Sauter: Viel zu bedenken

"Der Großteil ist dafür."

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"Keiner weiß, wie es weitergeht."

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Kapitel 5 Asylbearbeiterin Schreyeck: Entschieden.

"Die Arbeit wird nicht weniger."

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Ade Meßstetten!

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Kapitel 10 Polizist Butz: Zahlen sind nicht alles.

"Es fühlt sich länger an als es war."

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Freude und Elend gesehen.

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Kapitel 11 Ladenbesitzerin Kästle: "Geschimpft wird gar nicht mehr."

"Die LEA ist nicht mehr Hauptthema."

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Es geht auch ohne Flüchtlinge.

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