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Tausende Asylsuchende als Nachbarn

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Oktober 2015
Meßstetten hat ein turbulentes Jahr hinter sich.
Im Oktober 2014 kamen die ersten 33 Flüchtlinge auf die Alb. Jetzt sind über 3.000 Füchtlinge in der ehemaligen Kaserne. Dreimal mehr als urspünglich geplant.

Seit September 2015 gilt außerdem in Deutschland:
Syrische Flüchtlinge werden nicht mehr in das EU-Land zurück geschickt, in dem sie zuerst registriert wurden - etwa Italien oder Griechenland.

Die Entwicklung in Meßstetten hat alle Erwartungen übertroffen.

Eine Langzeitbeobachtung
von Sandra Müller und Katharina Thoms
Nominiert für den Grimme Online Award 2015.

Dieser Teil der Reportage dauert rund 20 Minuten.
Hier geht es zu
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4
Teil 6 Teil 7 Teil 8 Teil 9





        

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Mit 1.000 Fremden hat Meßstetten gerechnet.

Jetzt sind über 3.000 daraus geworden.

Meßstetten hat im Kern nur 5.000 Einwohner.

Das heißt:
Mehr als jeder dritte Einwohner ist jetzt ein Flüchtling.

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Das Zusammenleben in Meßstetten ist nicht immer einfach. Zum Teil fühlen sich Einheimische durch die vielen Asylsuchenden gestört. Manchen Flüchtlingen tut das leid. Dania Tayfour (29) aus Syrien zum Beispiel.

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Oktober 2015 - Ein Jahr Erstaufnahmestelle Meßstetten

Noch immer gibt es viel Hilfsbereitschaft.
Alfred Sauter und seine Ehrenamtskollegen bekommen weiterhin tausende Kleider und Spielsachen gespendet.

140 Menschen helfen regelmäßig beim Kaffee ausschenken, Kleider sortieren, Deutsch unterrichten. Es sind mehr Ehrenamtliche als je zuvor. 

Alfred Sauter hat früher als Soldat Besucher übers Gelände geführt - als die Erstaufnahmestelle noch eine Kaserne war. Jetzt zeigt er hier den neuen Ehrenamtlichen die Unterkunft.



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Ständig kommen neue Asylsuchende.
Viele werden schnell wieder verlegt.
Viel zu selten ist ein kurzer Smalltalk drin, findet Sauter.

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Sauter hat viele schöne Erinnerungen ans vergangene Jahr. Aber haben die Asylsuchenden Meßstetten auch bereichert?

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Oktober 2015 - Ein Jahr Erstaufnahmestelle Meßstetten

Polizist Karl Butz und seine Kollegen haben viel tun. Vor allem seit dem Sommer.

Mehrmals am Tag hat er Einsätze in der Unterkunft. Auch abends und nachts. Und oft sind die Einsätze schwierig.


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Insgesamt hat die Polizei deutlich mehr zu tun, seit Flüchtlinge in Meßstetten untergebracht sind.

Einsätze in Meßstetten von Januar bis September:
2014         638
2015      1.526

Davon bis September 2015:
721 Einsätze in oder bei der Landeserstaufnahmestelle (LEA).

Dazu gehören zum Beispiel:
• 9 größere Einsätze, davon 1 mit mehr als 30 Polizisten
• 43 Einsätze wegen Körperverletzungen
• 12 Einsätze wegen Sachbeschädigungen
• 1 Einsatz wegen sexueller Nötigung

Sehr oft wird die Polizei nicht wegen Straftaten in die LEA gerufen, sondern um zum Beispiel
• die Taschengeldausgabe zu überwachen.
• eine angeblich verwirrte Person zu suchen.
• Streit in der Essenschlange zu schlichten.
• sich um betrunkene Asylsuchende zu kümmern.

Quelle: Polizeipräsidium Tuttlingen





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Für die Polizei sind die Tage in Meßstetten oft lang. Selbst nach Feierabend kommt Karl Butz manchmal nur schwer zur Ruhe.





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Oktober 2015
"Manchmal muss man schon tief durchatmen," sagt Karl Butz heute. Nach einem Jahr als Polizist in der Landeserstaufnahmestelle.

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Oktober 2015 - Ein Jahr Erstaufnahmestelle Meßstetten

Manuela Kästle spricht jeden Tag über die Flüchtlinge. Mit ihrer Kundschaft. In ihrem Laden mitten im Ortskern.

Nicht alle teilen ihre Aufgeschlossenheit gegenüber den Flüchtlingen. Einzelne kaufen nicht mehr bei ihr ein. Doch Kästle spricht offen über ihre Ansichten - auch beim Friseur.

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Vereinzelt hilft Manuela Kästle im Asylcafé bei der Andacht für Flüchtlinge. Manchmal bringt sie Blumen aus ihrem Laden mit. Und immer sucht sie das Gespräch.
Auch vor der eigenen Haustür.

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Einen Facebook-Freund hat Manuela Kästle auch schon gewonnen.

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"Eigentlich bin ich überrascht, wie viele in Meßstetten nach einem Jahr mit den Flüchtlingen noch positiv gestimmt sind," sagt Manuela  Kästle.

Dennoch verfolgt sie die Diskussionen manchmal mit Sorge.

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Oktober 2015 - Ein Jahr Erstaufnahmestelle Meßstetten

Carina Schreyeck nimmt seit einem halben Jahr Asylanträge entgegen – beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Vorher hat sie in der Erstaufnahmestelle Flüchtlinge betreut.

Jetzt warten täglich Dutzende Asylsuchende vor ihrer Tür. Bis zu 16 Asylanträge am Tag schafft Carina Schreyeck.
Trotzdem ist es nie genug.
Trotzdem ist das BAMF immer in der Kritik.

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Bisher lebten in und um Meßstetten kaum Menschen mit anderer Hautfarbe. Die wenigen kannte man.

Wie Carina Schreyeck: Waschechte Schwäbin.
Aufgewachsen bei ihren Adoptiveltern im Donautal.

Für Schreyeck und ihre Eltern ist das kein Thema.

Aber für andere Menschen offenbar schon. Seitdem so viele Flüchtlinge da sind.

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Schreyeck läuft jeden Tag mit ihren Kollegen über das Gelände. Sie spüren keine Feindseligkeit und Aggression unter den Asylsuchenden.
Schreyeck wundert sich über solche Berichte in den Medien.

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Nach den Plänen des Landes soll die Erstaufnahmestelle Ende 2016 wieder geschlossen werden. In der aktuellen Situation glaubt das aber kaum jemand in Meßstetten.

Wie geht es also weiter mit den Asylsuchenden in der Stadt?

Zuversicht ist da.
Aber auch Befürchtungen.

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Winter 2015/16 in Meßstetten.
Tag und Nacht kommen Flüchtlinge auf die Alb. Die meisten aus Syrien und Irak. Darunter immer mehr Kinder und Frauen. Viele tragen Kopftuch.

Für die weitgehend christliche Gemeinde Meßstetten eine große Veränderung.

Jetzt sind weniger Asylsuchende in der Erstaufnahmestelle als im Herbst:
07. Oktober: 3628
30. November: 2954
31. Dezember: 1884
15. Januar: 1930

Meßstetter und Betreiber sagen: "Es ist entspannt." Doch Meßstetten erlebt auch einen Tag mit Gewalt und viel Polizei.

Eine Langzeitbeobachtung
von Sandra Müller und Katharina Thoms
Nominiert für den Grimme Online Award 2015.
Belobigt beim Caritas Journalistenpreis 2015.

Dieser Teil der Reportage dauert rund 12 Minuten.

Er ist für die Nutzung am PC optimiert.
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13. November 2015

Meßstetten in Aufregung.
Zum ersten Mal gibt es eine Massenschlägerei in der Landeserstaufnahmestelle (LEA). Flüchtlinge werfen mit Steinen. Scheiben gehen zu Bruch.

Auslöser war offenbar ein Brötchen.
Asylsuchende und Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes gerieten darüber in Streit.

Hundert Polizisten müssen den Streit schlichten. Sie haben Hunde dabei. Ein Hubschrauber kreist über der Stadt. Viele Meßstetter erleben eine Nacht in Sorge. Auch Ladenbesitzerin Manuela Kästle und Polizist Karl Butz.



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Die eingeworfenen Scheiben sind schnell repariert.

Dennoch sieht man der ehemaligen Kaserne in Meßstetten die Belastungen der vergangenen 15 Monate an.

Über 20.000 Menschen waren in dieser Zeit hier untergebracht.

Fürs Saubermachen in den  Gemeinschaftsräumen sind die Flüchtlinge selbst zuständig. Sie können sich freiwillig zum Putzdienst melden. Für 1,05 Euro die Stunde. Doch immer weniger wollen das.

Die Folge: An vielen Stellen in der Einrichtung riecht es nach Urin und vergammeltem Essen.

Künftig soll deshalb ein externer Putzdienst beim Saubermachen helfen.




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Dezember 2015

Trotz der Schlagzeilen rund um die Erstaufnahmestelle sind viele Meßstetter hilfsbereit.

Viele packen Weihnachtsgeschenke für Flüchtlingskinder.

Das Deutsche Rote Kreuz und private Initiatoren geben dafür gut 1.000 Kartons aus. Fürs Befüllen gibt's feste Regeln. Die Kartons sind schon nach wenigen Tagen vergriffen.

In der LEA selbst arbeiten jetzt mehr ehrenamtliche Helfer denn je: insgesamt 170 Männer und Frauen.

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Für den ehrenamtlichen Helfer Alfred Sauter ist es eine neue Erfahrung: Das muslimische Freitagsgebet in Meßstetten.

Denn wie überall in Deutschland kommen auch auf der Alb vor allem muslimische Flüchtlinge an. Für viele wird der Glauben in der Fremde noch wichtiger.

Sauter versteht das.
Der frühere Soldat schließt den Muslimen jeden Freitag einen Saal in der ehemaligen Kaserne zum Beten auf. Er guckt manchmal zu. Und macht sich seine Gedanken.

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Ab und zu geht Alfred Sauter sonntags zum Gottesdienst. Seine evangelische Kirche steht mitten in Meßstetten. Die Kirchenbänke werden aber nur noch an Weihnachten voll. Die Gemeinde schrumpft.

Dennoch: Der christliche Glaube hat Sauter geprägt. Helfen hat für ihn als Ehrenamtlichen auch etwas mit Nächstenliebe zu tun.

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Der Gottesdienst der Methodisten in Meßstetten ist gut besucht. Jeden Sonntag kommen auch Asylsuchende.

Manche in der Gemeinde stört das. Sie kommen seltener. Andere empfinden die Asylsuchenden als Bereicherung. Sie holen die Flüchtlinge extra von der Erstaufnahmestelle ab.

Der Gottesdienst dauert neuerdings etwas länger: Die Predigt wird auf Deutsch, Englisch und Farsi gehalten.

Denn im Moment kommen viele Iraner. Die meisten sind Christen oder Muslime, die zum Christentum wechseln werden.



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Jeden Donnerstag gibt es eine Andacht im Asylcafé.
Die christlichen Kirchen in Meßstetten laden dazu ein.
Kommen darf ausdrücklich jeder, der mag - egal welchen Glaubens.

Meist sind so um die 20 Gäste da. Auch Manuela Kästle geht gelegentlich hin. Sie ist Katholikin.

Die meisten Besucher aber sind Protestanten. Viele kommen aus dem Iran, viele aus Meßstetten.

Und ganz vereinzelt treffen sie hier auch Muslime.


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Carina Schreyeck hat bei ihrer Arbeit immer wieder mit Religion zu tun. Bei ihr beantragen auch Menschen Asyl, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Schreyeck versteht nicht, wie das so viel Hass auslösen kann.

Für sie hat Glauben nichts Trennendes. Obwohl ihr persönlich die Religion wichtig ist.

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"Es gab hier in Meßstetten meines Wissens noch nie Konflikte aufgrund der Religionen," sagt Polizist Karl Butz.

Meist gebe es Streit wegen ganz profaner Dinge:
Alkohol, Beziehungen oder Eigentum.

Auch sonst ist Religion kein Thema für Butz:
Auf die jetzt vielen Muslime in Meßstetten wurde er noch nie angesprochen.

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Januar 2016

Nach den sexuellen Übergriffen in Köln und Stuttgart und dem Terror von Paris sind Muslime und Asylsuchende welt- und bundesweit in den Schlagzeilen.

Dennoch denken die Meßstetter nicht anders über ihre Flüchtlingsunterkunft als zuvor. Diskussionen gibt es kaum noch.



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Wie geht es nach 2016 mit den Flüchtlingen in der ehemaligen Kaserne weiter? Werden sie bleiben? Oder schließt die Landesregierung die Unterkunft wie versprochen?

"Das ist Verhandlungssache", sagt Ministerpräsident Kretschmann bei einem Bürgergespräch im Januar.



Diese Langzeitreportage des SWR begleitet die Entwicklungen in Meßstetten seit Oktober 2014.

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Aktuelle Informationen zu Meßstetten und seinen Flüchtlingen außerdem unter www.swr.de/messstetten
           




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