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Helmut Kohl - Kanzler der Einheit

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Helmut Kohl wird am 3. April 1930 als Sohn des Finanzbeamten Hans Kohl und seiner Frau Cäcilie in Ludwigshafen geboren. Mit nur 16 Jahren entscheidet er sich für die CDU als "seine" Partei. Mit 17 ist er Mitbegründer der Jungen Union in seiner Heimatstadt.

1950 legt er das Abitur ab und studiert anschließend Rechts-, Sozial- und Staatswissenschaften sowie Geschichte in Frankfurt und Heidelberg.

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Er engagiert sich während seines Studiums weiter politisch und knüpft Verbindungen zu jungen Parteimitgliedern, die - wie er - die CDU in Rheinland-Pfalz als reformunfähig empfinden.

1953 kandidiert er auf dem CDU-Landesparteitag völlig überraschend - und zum Unmut des Ministerpräsidenten Peter Altmeier - gegen den damaligen Familienminister Franz-Josef Wuermeling um das Amt des CDU-Vize. Kohl unterliegt zwar knapp, sichert sich aber einen Platz im CDU-Vorstand.

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1959 zieht Helmut Kohl als jüngster Abgeordneter in den rheinland-pfälzischen Landtag ein. Dort beginnt er konsequent, die alte Parteiführung aus ihren Ämtern zu drängen. Vier Jahre später ist Kohl bereits CDU-Fraktionschef im Mainzer Landtag.

Bei seiner Blitz-Karriere stützt er sich auf die "Kampfgruppe Kohl", wie sie im Parteijargon heißt. Ihr gehören junge, ehrgeizige Politiker an, wie die späteren CDU-Generalsekretäre Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf sowie der Hesse Norbert Blüm. Auch Bernhard Vogel, Richard von Weizäcker und Roman Herzog zählen dazu.

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Südwestfunk 20.5.1969

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1966 wird Kohl Landesvorsitzender der CDU, drei Jahre später Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz.

In seiner ersten Regierungserklärung würdigt er seinen zurückgetretenen Vorgänger Peter Altmeier als "Baumeister von Rheinland-Pfalz". Zugleich stellt er sein politisches Programm vor, das vor allem eine Modernisierung des Landes auf Ebene der Verwaltung und in der Sozialpolitik vorsieht.

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Seine versprochenen Reformen setzt er zügig um. So wird zunächst das rückständige Schulsystem im Land umgekrempelt. Als größte Leistung Kohls gilt aber die Verwaltungsreform. Die Zahl der Bezirksregierungen und der Landkreise wird reduziert und auch auf kommunaler Ebene werden größere Verwaltungseinheiten geschaffen.

Schon einige Jahre davor hatte er in mehreren Interviews deutlich gemacht, dass er auch bundespolitische Ambitionen hegt ...

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Frühe bundespolitische Ambitionen

Helmut Kohl in der Sendung "Report" aus dem Jahr 1967 im Gespräch mit Günter Gaus

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Frühe bundespolitische Ambitionen

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Drei Jahre lang ist der Pfälzer Chef einer christlich-liberalen Koalition im Land. Ab 1971 kann die CDU das Land allein regieren. Kohls Ehrgeiz fällt bundesweit auf. Er wird zunächst stellvertretender Bundesvorsitzender, 1973 dann Parteichef.

Helmut Kohl soll für die CDU die Bundestagswahl 1976 gewinnen. Doch er  verliert knapp gegen Helmut Schmidt.

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Es folgen auch menschlich harte Zeiten auf den Oppositionsbänken in Bonn. Hauptgrund ist das schwierige Verhältnis zum Vorsitzenden der Schwesterpartei CSU, Franz-Josef Strauß. "Ich war ein Weichei für ihn", sagte Kohl rückblickend.

In einem zermürbenden Ringen um die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 1980 muss er Strauß den Vortritt lassen.
Anders als der nur knapp gescheiterte Kohl vier Jahre zuvor verliert dieser die Wahl gegen Schmidt jedoch deutlich. Geschlagen zieht sich Strauß nach Bayern zurück. Aus der Wahlniederlage für die Union wird damit ein persönlicher Sieg für Helmut Kohl.

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Kanzler Helmut Schmidt verliert fortan dramatisch an Rückhalt in der SPD. Gleichzeitig wird es immer schwerer, mit dem Koalitionspartner FDP eine gemeinsame Wirtschaftspolitik zu betreiben. Diese Schwäche will Oppositionschef Kohl nutzen. Zum FDP-Vorsitzenden Hans-Dietrich Genscher sucht er beharrlich Kontakt.

1982 geht diese Strategie auf: Kohl wird als Bundeskanzler nominiert und löst am 1. Oktober beim ersten erfolgreichen konstruktiven Misstrauensvotum in der Geschichte des Bundestages Schmidt ab ...

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Helmut Kohl, 19.6.1975

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16 Jahre lang wird Helmut Kohl Kanzler bleiben - so lange wie keiner vor ihm.

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Seine erste große politische Herausforderung wird der NATO-Doppelbeschluss. Dieser beinhaltete eine Nachrüstung atomarer Raketen und Verhandlungen über eine verstärkte Rüstungskontrolle. Trotz starken Widerstandes aus Reihen der Opposition stimmt der Bundestag diesem im November 1983 zu.

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In den 80er-Jahren verändert sich die Außenpolitik Deutschlands: Symbolträchtig reichen sich Helmut Kohl und der französische Staatspräsident Francois Mitterand 1984 beim Besuch des Soldatenfriedhofs in Verdun die Hände, um so eine Aussöhnung der ehemaligen Kriegsgegner zu demonstrieren. Beide treiben in dieser Zeit konsequent die europäische Einigung voran.

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Erstes Deutsches Fernsehen, 12.5.1985

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Der legendäre Kanzlerstreit aus dem Jahr 1985: Vor laufender Kamera liefert sich Altkanzler und SPD-Parteivorsitzender Willy Brandt mit Kohl eine erbitterte Debatte. Dabei bezeichnet Brandt den CDU-Generalsekretär Heiner Geißler als "seit Goebbels den schlimmsten Hetzer in diesem Land".

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Doch vier Jahre später endet das freundschaftliche Verhältnis zwischen Kohl und Geißler. Auf dem Bundesparteitag 1989 versucht der damalige Generalsekretär Geißler Verbündete für einen "Putsch" gegen Kohl zu sammeln. Dieser erfährt jedoch davon und entmachtet Geißler.

Später bezeichnet Kohl diesen Bruch als eine der "barbarischen Erinnerungen meines Lebens".

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Es ist sein größter Triumph: Am 3. Oktober 1990 feiert Deutschland die Wiedervereinigung. Das Bild von Kohl, seiner Frau Hannelore, Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Bundespräsident Richard von Weizsäcker auf der Freitreppe des Berliner Reichstagsgebäudes geht um die Welt.

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"Bei der Euro-Einführung war ich ein Diktator", wird Kohl später sagen. Eine gemeinsame Währung sieht er 1998 als einzigartige Chance, den europäischen Gedanken zu stärken - und setzt diese gegen den Willen einer breiten Bevölkerungsmehrheit durch.

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1998 endet die Macht des Kanzlers jäh: Er verliert die Bundestagswahl gegen den SPD-Kandidaten Gerhard Schröder. Mit Kohl wird auch die gesamte christlich-liberale Koalition abgewählt - ein Novum in der Geschichte.

Rückblickend gibt Kohl 2007 in der SWR-Sendung "Wortwechsel" zu: "Ich würde nicht sagen, dass ich alles wieder so mache, wie ich es gemacht habe, denn dieser Weg ist von Höhen und Tiefen geprägt, aber auch von Fehlern."

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"Nie zuvor in der deutschen Geschichte ist ein Politiker in so rasend kurzer Zeit herab gestürzt vom Gipfel der Bewunderung in ein Tal der Ächtung" schreibt "Die Rheinpfalz" 1999. In einem Fernsehinterview hatte Kohl zugegeben, Parteispenden entgegengenommen zu haben - die Namen der Spender nennt er jedoch nicht.


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Rheinland-Pfalz aktuell vom 26.11.1999

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Wenig später bestätigt der langjährige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler die Existenz schwarzer Kassen während der Regierungszeit Helmut Kohls.

Langjährige Weggefährten und Parteifreunde - unter anderem Angela Merkel - gehen auf Distanz zu Helmut Kohl.

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2001 muss Kohl den größten privaten Verlust verkraften: Seine Frau Hannelore nimmt sich im Alter von 68 Jahren mit einer Überdosis Tabletten das Leben. Erst wenige Monate zuvor hatte sie den Medien von einer Lichtallergie berichtet, an der sie bereits seit Jahren litt.

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Brisant vom 2.4.2014

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Seit 2005 ist die Volkswirtin Maike Richter die neue Frau an Kohls Seite. Im Mai 2008 heiratet er die 34 Jahre jüngere Richter im engsten Freundes- und Familienkreis auf dem Gelände einer Reha-Klinik in Heidelberg. Kohl ist nach einem schweren Sturz dort Patient. Der Ex-Kanzler ist seither an den Rollstuhl gefesselt.

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"Walter Kohl - Aus dem Schatten des Vaters"

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"Ich bin raus auf den Schulhof und will schreien. Doch es kommt kein Ton raus. Das war der fühlbare Beginn einer tiefen Sprachlosigkeit" - So erinnert sich Walter Kohl an eine Kindheit im Ausnahmezustand. Verprügelt von Klassenkameraden, beschimpft wegen des Vaters. Zuhause zum Schweigen verdammt.

Nach dem Tod der Mutter kommt es zwischen ihm und Vater Helmut  zum endgültigen Zerwürfnis.

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Im April 2016 tritt der Altkanzler noch einmal ins Rampenlicht: Kohl empfängt in seinem Haus in Ludwigshafen Oggersheim den umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Viele politische Beobachter deuteten den Besuch als Protest gegen die Politik von Kanzlerin Merkel. Offiziell heißt es jedoch, es handele sich nur um einen Freundschaftsbesuch.

Es sollte der letzte öffentliche Auftritt von Helmut Kohl werden.

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Helmut Kohl stirbt im Alter von 87 Jahren.




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