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Bedrohen bald einfache Wunden unser Leben, weil kein wirksames Medikament mehr existiert?
Forscher sind auf der Jagd nach neuen Möglichkeiten, den Keimen den Kampf anzusagen.


Von Janina Bokoloh
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In Boston, Massachusetts haben Wissenschaftler eine Lösung im Kampf gegen multiresistente Bakterien gefunden. Vielleicht ein Meilenstein in der Antibiotikaforschung.

In diesem Eimer voll Erde steckt ein unsichtbarer Schatz – dringend benötigte neue Antibiotika. 

Doch warum brauchen wir eigentlich neue Antibiotika?
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Die Suche nach neuen Antibiotika ist überfällig, denn immer häufiger und immer schneller werden Keime gegen die bisherigen Medikamente resistent. Antibiotika, die einstigen Wunderwaffen der Medizin, sind stumpf geworden.

Das Resultat: Circa 15.000 Patienten erliegen den multiresistenten Keimen jedes Jahr in deutschen Kliniken.   Doch eine neue Methode bringt Hoffnung.
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Das Forscherteam rund um Prof. Slava Epstein und Prof. Kim Lewis in Boston, Massachusetts hat eine bahnbrechende Methode entdeckt, Bodenbakterien zu kultivieren, um neue Antibiotika zu gewinnen.

Das Entscheidende dabei ist, die Bakterien nach der Entnahme wieder in ihre gewohnte Umgebung zurückzuführen. Dort können sich diese über Tage natürlich vermehren, um anschließend im Labor weiter gezüchtet werden.
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Das ist so einfach,
dass wir gar nicht glauben konnten,
dass es bisher noch niemand
ausprobiert hat.

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Das ist ein Beispiel dafür, dass fast alles was wir benötigen, in der Natur schon vorhanden ist. Die Natur und wir stehen vor denselben Problemen – und die Natur hat in Milliarden Jahren schon Lösungen gefunden.

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Antibiotika sind eine natürliche Waffe gegen Bakterien.
Jedes Antibiotikum ist dabei auf einen bestimmten Bakterienstamm spezialisiert.
    
Der Vorteil: Antibiotika greifen gezielt nur Bakterien an. Dabei werden diese entweder beim Hüllenaufbau gehemmt – also von außen – oder das Antibiotikum wirkt im Innern der Bakterien; dort wird die Vermehrung verhindert.

Das funktioniert so lange die Bakterien noch keine Resistenzen aufgebaut haben…
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Durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika können Resistenzen entstehen.

Es reicht schon aus, wenn bei einer Anwendung von Antibiotika ein Bakterium am Leben bleibt. Denn das kann dann einen Abwehrmechanismus entwickeln.

Das resistente Bakterium vermehrt sich wieder millionenfach und bildet so eine Armee, die nicht zerstört werden kann.

Oder?
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In Boston hat das Team um Prof. Slava Epstein und Prof. Kim Lewis bereits 25 neue Antibiotika entdeckt.

Darunter finden sich neue Wirkungsweisen, die die Forscher ins Staunen bringen.

Ein vielversprechendes Antibiotikum bekam den schönen Namen Teixobactin. Es zerstört sogar multiresistente Krankenhauskeime.
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Teixobactin wirkt gleich auf zwei Arten:

Es hindert das Bakterium daran, seine Schutzschicht vollständig aufzubauen und zerstört gleichzeitig bestehende Schutzwände des Bakteriums.

Dieser defekte Schutz führt schließlich dazu, dass die Bakterien platzen.
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Das neu gefundene Teixobactin ist aber noch kein anwendbares Medikament.

Zunächst müssen klinische Studien die Verträglichkeit beim Menschen sicherstellen.

Mit resistenten Keimen infizierte Mäuse haben den Test schon durchlaufen und konnten erfolgreich behandelt werden.
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Ein Phage setzt sich am Bakterium fest und injiziert sein eigenes Erbgut.
Ein Phage setzt sich am Bakterium fest und injiziert sein eigenes Erbgut.
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Ein weiterer Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die Keime lässt sich ebenfalls in ungewöhnlicher Umgebung finden: im Abwasser. Denn hier leben Bakteriophagen, die eine Alternative zu Antibiotika darstellen können.

Das Besondere liegt im Vorgehen der Phagen: Sie injizieren den Bakterien ihr eigenes Erbgut, so dass neue Phagen im Innern der Bakterien entstehen. Die Vermehrung wird so lange fortgesetzt, bis die Bakterien platzen. Die so freigesetzten Phagen können dann weitere Bakterien angreifen.

Eine Zulassung für die Therapie mit Phagen gibt es in Deutschland allerdings noch nicht.
Ein Phage setzt sich am Bakterium fest und injiziert sein eigenes Erbgut.
Ein Phage setzt sich am Bakterium fest und injiziert sein eigenes Erbgut.
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