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Schwoermontag Ulm

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Der Ulmer Feiertag

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Morgens auf dem Weinhof: Die Schwörrede

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"Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt."

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"Am Ende, wenn die Schwörglocke klingt, verbunden mit dem jahrhundertealten Schwur, der nichts Verstaubtes oder Gestriges hat, sondern etwas Modernes, da gibt es einen Schauer, der mir 24 Mal über den Rücken gelaufen ist."
Ivo Gönner, Oberbürgermeister 1992-2016  

"Vom Schwörbalkon aus zur Bürgerschaft zu sprechen und beim Klang der Schwörglocke vom Münster die mittelalterliche Eidesformel zu wiederholen, das ist und das bleibt bewegend."
Gunter Czisch, Oberbürgermeister seit 2016

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Gefeiert wurde eigentlich immer, quasi ab dem ersten Schwörtag im Jahr 1397. Weil die Schwörrede, damals das Verlesen des Schwörbriefs, sehr langweilig war, wurde schon morgens mächtig ins Glas geschaut. Das führte 1712 dazu, dass die Schwörfeier zum einen um zwei Stunden auf 10 Uhr vorverlegt wurde und zum anderen ein Trinkverbot bis zum Schwur der männlichen Bürgerschaft verhängt wurde (unter hohen Strafen auch für die Gastwirte). Das hat wohl eher weniger als mehr geholfen.
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1345 gab es den "Kleinen Schwörbrief", er befriedete den Machtkampf zwischen Zünften und Patriziern. Die Zünfte forderten einen Teil der Macht für sich und diese wurde ihnen auch eingeräumt.
1397 folgte der "Große Schwörbrief", er beendete ein Wiederaufflammen der Rivalitäten. Seitdem leisteten auch die Bürger jedes Jahr einen Schwur auf die neue Stadtverfassung. Ein Film berichtet zum 600-jährigen Jubiläum über den Schwörbrief.

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Zwischen dem Schwörhaus und dem Münster gibt es zwei Verbindungen: Funk und Mobiltelefon, ständig wird Kontakt gehalten darüber, an welcher Stelle der Schwörrede der OB gerade ist. Kommt die Passage der Schwörformel, muss bei den ersten Worten der erste Glockenschlag zu hören sein. Da ist das Timing das Entscheidende! Die richtige Technik braucht es auch für das Aufhören, denn die tonnenschwere Masse muss dann wieder abgebremst werden. Dabei war 2007 gar nicht klar, ob die jahrhundertealte Schwörglocke eine Zukunft hat, wie der folgende Film erläutert.

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Heute ist völlig klar: Am vorletzten Montag im Juli ist der Ulmer Stadtfeiertag. Früher war er allerdings auch mal im August oder im April. 1705 fand sogar ein "Schwördienstag" Eingang in die Chroniken. Der "Schwörmontag" ist erstmals 1745 erwähnt. Später wurde er wieder an einem beliebigen Wochentag gefeiert und einfach nur als "Schwörtag" bezeichnet, erklärt der Ulmer Buchautor Wolf-Henning Petershagen.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch ein Hin und Her, bis der Stadtfeiertag schließlich auf den Beginn der Sommerferien, und - viel wichtiger - eine Woche vor den Sommerschlussverkauf gelegt wurde.

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Nachmittags auf der Donau: Das Nabada

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Für Nichtkenner: Die Beschreibung "ein Faschingsumzug auf dem Wasser" kommt dem Nabada wohl am nächsten. Nabada - Hinabschwimmen - das ist 1927 zum ersten Mal belegt, so schreibt es der Ulmer Chronist Henning Petershagen.

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Tausende wilder "Nabader" hatten auch im Jahr 2018 wieder am Wasserumzug auf der Donau teilgenommen. Dazu Musikboote und 13 Themenschiffe. Eine selbstgebaute Konstruktion hat den Organisatoren nach dem Umzug noch länger Kopfzerbrechen bereitet. Eine Floß mit besonders hohem Aufbau blieb im Kies stecken und kippte um. Wem es gehörte, war nicht klar. Das THW musste es schließlich aus dem Wasser holen. Im Film ein paar Bilder vom Nabada 2018.

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Ein gutes Dutzend liebevoll und aufwändig gestalteter Boote, die Geschichten aus der Stadtpolitik, aus dem Bund und der Welt auf die Schippe nehmen. Die Zuschauer können am Ende über ihr Lieblingsboot abstimmen. Gruppen und Vereine sammeln Monate vor dem Nabada Ideen und fangen an zu bauen.

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Die Musikschiffe sorgen für die musikalische Untermalung, schunkelfest muss man als Musiker allerdings schon sein. Apropos Schunkeln – das sollte den Musikgruppen 2015 aus Sicherheitsgründen untersagt werden. Es entbrannte eine lebhafte Diskussion, die in der Lösung mündete, man solle "vorsichtig schunkeln". 

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Gab es vor 1968 so eigentlich nicht. Dann wurde der Umzug auf der Donau quasi für jedermann geöffnet, seitdem sind nicht nur in monatelanger Feinarbeit gebaute Boote auf der Donau, sondern Lkw-Reifen, Luftmatratzen und Schlauchboote mit wilden Besatzungen. Über die Jahre wurden es immer mehr Teilnehmer. Das Ziel: Alle nass machen. Die Waffe: Wassereimer.
Aber: So spaßig das Nabada auch ist, es gibt Regeln: https://www.ulm.de/tourismus/stadtgeschichte/feste-und-traditionen/nabada
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Die Donau ist eine wankelmütige Geliebte. Zuletzt musste das Nabada 2008 abgesagt werden. Das ist immer dann der Fall, wenn die Donau mehr als 250 Kubikmeter Wasser pro Sekunde führt. Nicht unbedingt wegen der Strömung, sondern weil dann schon kleine Baumstämme und anderes Treibgut die Wilden Nabader gefährden könnten.
Das Wasser hat in der Regel 16 bis 19 Grad, wobei die Iller immer das kältere Wasser mitbringt. Ein Neoprenanzug ist immer zu empfehlen.

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Als Vorläufer könnte das Fischerstechen am Schwördienstag gesehen werden: Das Fischerstechen gab es alle zwei Jahre. In den anderen Jahren pflegte man den Brauch des "Bäuerle-Herunterfahrens" - ein Klamauk, der zu den Vorläufern des Nabadas zu rechnen ist. Aber vielleicht war es auch ein Freizeitvergnügen aus dem 19. Jahrhundert, das dem Nabada voranging: Damals nahmen die Bürger gern mal eine Zille und ruderten die Donau ins Freizeitgebiet Steinhäule und später zur Friedrichsau hinunter.
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Abends in der Friedrichsau: Das Feiern

Vor allem nach dem Krieg war die Friedrichsau der Anlaufpunkt der meisten Ulmer. Die Älteren erinnern sich gerne, wie sie als Kinder mit Lampions ausgerüstet durch den Stadtpark zogen. Und dabei "Messbrocken" gegessen haben, riesige Zuckerbonbons mit Himbeer- oder Waldmeistergeschmack.
Gefeiert wurde auch in Zeiten, als es den politischen Teil des Schwörmontags im Laufe der Ulmer Stadtgeschichte nicht gab, etwa als Ulm Anfang des 19. Jahrhunderts zu Bayern gehörte. Und Stadtführerin Anne Pröbstle erzählt noch eine Geschichte: Wegen ihrer unrühmlichen Umtriebe aus Ulm verstoßene Bürger sollen auf Jakarta 1639 in ihrem Heimweh den Schwörmontag begangen haben.

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Heutzutage hängen in der Friedrichsau Lampions, auf der Dianawiese wird ein Bier getrunken, an Essensständen gibt es Deftiges und Süßes. Vor allem Familien lassen den Tag im Park gemeinsam ausklingen. 
Und wer nicht im Ulmer Stadtpark feiert, kann seit langem auch in den Stadtteilen Wiblingen und Söflingen den Schwörmontag feiern.

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Erst mit den Jahren zogen immer mehr Feiernde auch in die Ulmer Innenstadt, Wirte organisierten Feiern in den Kneipen und nach und nach kamen Konzerte hinzu. Auf dem Münsterplatz sowie vor dem Rathaus und in vielen kleinen Gassen.
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Für Diskussionen sorgte in den letzten Jahren vor allem das Bestreben, die Öffnungszeiten zu begrenzen. Die Sperrstunde wurde 2013 auf 23 Uhr begrenzt. Der Grund: die hohe Zahl an Betrunkenen und Verletzten im Vorjahr. Im Jahr darauf wurde die Sperrstunde auf 24 Uhr verlegt.
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Der Müllberg wuchs stetig. Mit den Besucherzahlen. Denn was nach dem Krieg als reiner Ulmer Feiertag wieder aufflammte, wurde immer mehr aus zum Anziehungspunkt für Besucher aus der ganzen Region. Inzwischen kommen am Schwörmontag Hunderttausende in die Stadt, überspringen die Schwörrede und gehen direkt feiern. Auf der Donau, danach in der Stadt. Kaputte Flaschen und Müll jeglicher Art müssen danach entsorgt werden, die Straßenreinigung ist schon in der Nacht unterwegs. In den vergangenen Jahren fielen jeweils rund 20 Tonnen Müll an.
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Rund um den Schwörmontag

Der Bindertanz war seit 1745 mit dem Schwörmontag verbunden. Wiederentdeckt wurde er wohl in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Organisiert wurde er lange von der Küferinnung. Da sich die Innung aufgelöst hat, hat die Stadt Ulm 2019 die Organisation der Traditionsveranstaltung übernommen. Und gleich eine Veränderung eingeführt: Eigentlich zeigen die Binder ihren Tanz alle vier Jahre, inklusive einem Fassroller und dem Reifenschwingen des Zunftmeisters. Doch nun wird der Bindertanz schon 2019, nach drei Jahren, wieder aufgeführt. In Zukunft soll er dann im zweijährigen Wechsel mit dem Fischerstechen stattfinden.
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Bevor die Ulmer zur Lichterserenade strömen, genießen sie in der sommerlich warmen Kirche klassische Musik. Das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm und der Motettenchor der Münsterkantorei mit Gastchören haben in den vergangenen Jahren Werke von Puccini, Mendelssohn oder Orff aufgeführt. 
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Die Serenade wird von der "Ulmer Gesellschaft der Donaufreunde" organisiert. 1967 sind zum ersten Mal Lichtlein ins Wasser gesetzt worden. Am Samstagabend vor dem Schwörmontag. Inzwischen sind es bis zu 20.000 Lichter, die die Donau runterschippern. Biologisch abbaubar übrigens. Viele schaffen es nicht bis zum Wehr am Stadtrand, denn viele Ulmer fischen sich ein Kerzen aus dem Fluss.
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Zur Tradition ist längst das große Schwörkonzert auf dem Ulmer Münsterplatz geworden. Und das hat schon Weltstars an die Donau gelockt, Elton John stand unter dem hohen Ulmer Münsterturm, und auch Neil Young und Pink gaben sich schon die Ehre.
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Der Ulmer Schifferverein organisiert das Fischerstechen seit fast 100 Jahren wieder. Mitglieder können nur Nachfahren alter Ulmer Schifferfamilien werden. Eine Anleitung zum Zillenfahren, den Ulmer Fischermarsch und vieles mehr gibt es beim Ulmer Schifferverein: http://www.ulmer-schifferverein.de/geschichte.
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Lange bevor die ersten Nabader die Donau runter zur Friedrichsau fahren, kann man auf dem Volksfestplatz schon feiern. Etwa zehn Tage vor dem Schwörmontag beginnt das Ulmer Volksfest.
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Die Nationalsozialisten haben wohl 1933 den politischen Teil des Schwörmontags wiederbelebt. Damals setzten sie den von ihnen bestimmten Oberbürgermeister Friedrich Foerster ins Amt, mit großer Ansprache und viel Pomp.
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Zunächst wurde der Schwörmontag im zerstörten Rathaus begangen, erst später wieder auf dem Weinhof. Der zweite Oberbürgermeister Ulms nach dem Krieg, Theodor Pfizer, gab dem Tag eine demokratische Wende, seitdem hat der Schwörtag die heutige Form.
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  • Quellen:
    Herr Motzer, Stadt Ulm
    Herr Roller, Messner Ulmer Münster
    Frau Pröbstle, Gästeführerin Ulm/Neu-Ulm Touristik
    Herr Petershagen, Stadtchronist
    Herr Schwender, Organisator Nabada

    Bücher:
    „Schwörmontag – ein Ulmer Phänomen“, Hennig Petershagen
    „Zünftige Lustbarkeiten – das Ulmer Fischerstechen – der Bindertanz“ – Henning Petershagen

    Internetseiten:
    Stadt Ulm
    Facebook-Auftritt Nabada
    Ulmer Schifferverein
    Ulmer Münsterbauhütte

    Bildrechte: Cornelius Bierer, SWR, Ulm / Neu-Ulm Touristik, Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH , VMV GmbH, dpa/picture-alliance, Stefan Puchner, picture-alliance/dpa, Stefan Puchner, picture-alliance/dpa, Stefan puchner

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